Relativitätstheorie und Quantenmechanik sind die beiden Hauptsäulen der modernen Physik, ja des wissenschaftlichen Weltbilds insgesamt. Erstere ist ganz Albert Einsteins Leistung, zweite basiert wesentlich auf Arbeiten von Werner Heisenberg (sowie einigen anderen, Einstein eingeschlossen). Diese beiden Säulen sind die besten Theorien in der Geschichte der Menschheit – gemessen an den exzellenten Übereinstimmungen von theoretischen Voraussagen und experimentellen Bestätigungen. Zwar widersprechen sie sich in extremen Bedingungen, etwa hinsichtlich Schwarzer Löcher und des Urknalls. Für fast alle anderen Situationen aber können Physiker sie in einer friedlichen Koexistenz praktizieren – und suchen zugleich nach einer Theorie der Quantengravitation, die beide Theorien vereinigt und als Spezialfälle enthält. Das Vermächtnis von Einstein und Heisenberg ist noch nicht eingelöst.
Kurioserweise verbindet die Geschichte von Relativitätstheorie und Quantenmechanik, von Einstein und Heisenberg, auch eine institutionelle Verbindung, ja sogar eine organisatorische Vereinheitlichung: ein noch immer florierendes Institut, das eben sein hundertjähriges Bestehen feiern konnte – das heutige Max-Planck-Institut für Physik (MPP).
Einstein war sein eigener Direktor
Gegründet wurde das jetzige MPP am 1. Oktober 1917 unter dem Namen Kaiser-Wilhelm-Institut (KWI) für Physik. Das war mitten im Ersten Weltkrieg. Es gab damals kein eigenes Gebäude, sondern nur ein Zimmer – das private Arbeitszimmer von Einstein in Berlin. Und zunächst nur einen Direktor und Angestellter in Personalunion – Einstein selbst. Er hatte diese Stellung bis 1933 inne, als er aus dem nationalsozialistischen Deutschland fliehen musste.
Erst 1937 bezog das KWI für Physik ein eigenes Gebäude in Berlin-Dahlem. Direktor wurde Peter Debye. 1939 wurde das Institut dem Heereswaffenamt unterstellt. Es sollte Uran-Forschung betrieben werden mit dem Ziel, die kurz zuvor entdeckte Kernspaltung als Waffe und Energielieferant zu nutzen. Die Pläne zum Bau einer Atombombe wurden 1942 aufgegeben – die dazu nötige Uran-235-Anreicherung scheiterte und die beteiligten Forscher um Werner Heisenberg scheinen die Arbeit auch bewusst verschleppt zu haben (ihre Rolle ist bis heute nicht völlig geklärt ). Der Bau eines Reaktors – wofür Teile des Instituts 1943 nach Hechingen und Haigerloch verlegt wurden – gelang ebenfalls nicht. Im April/Mai 1945 wurde das Institut von amerikanischen und sowjetischen Truppen besetzt, Geräte und die Bibliothek wurden beschlagnahmt, einige Mitglieder interniert.
1946 erfolgte eine Neueröffnung des Instituts unter dem Namen Max-Planck-Institut für Physik in Göttingen. Werner Heisenberg war erneut Direktor. Aufgeteilt wurde das Institut in zwei Abteilungen: Eine für Theoretische Physik unter der Leitung von Carl Friedrich von Weizsäcker (bis 1957, als er Professor für Philosophie an der Universität Hamburg wurde); und eine für Experimentelle Physik unter der Leitung von Karl Wirtz.






