Der Europäische Waldelefant (Palaeoloxodon antiquus) war das größte Landsäugetier des Eiszeitalters. Dieses ausgestorbene Rüsseltier war zwischen 900.000 und 100.000 Jahren vor heute in den Landschaften Europas und Westasiens verbreitet. Mit einer Schulterhöhe von bis zu vier Metern und einem Gewicht bis zu 13 Tonnen war es größer als heutige Elefanten und sehr wehrhaft: Typisch für diese Elefantenart waren die langen, geraden Stoßzähne. Ähnlich wie heutige Elefanten waren die Waldelefanten wahrscheinlich Herdentiere, die günstigen Bedingungen folgten und von Wasserstelle zu Wasserstelle wanderten.
Für die ersten in Europa vorkommenden Frühmenschen könnten die Waldelefanten eine besondere Rolle gespielt haben. Funde von Elefantenskeletten zusammen mit Steinwerkzeugen und Holzspießen legen nahe, dass unsere Vorfahren diese Rüsseltiere schon vor mehr als 400.000 Jahren jagten und in Fallen trieben. Auch in der Fundstätte Bilzingsleben im Norden Thüringens belegen gemeinsam mit Knochen des Waldelefanten gefundene Relikte des Homo heidelbergensis, dass die Frühmenschen damals Waldelefanten entweder jagten oder aber die Kadaver frisch verendeter Tiere ausschlachteten und als Quelle für Nahrung, Fett und andere Ressourcen nutzten. “An vielen dieser Orte wurden auch die Elefantenknochen als Rohmaterial genutzt, um verschiedene Arten von Werkzeugen herzustellen”, erklären Beniamino Mecozzi von der Sapienza-Universität Rom und seine Kollegen.
Ein Waldelefanten-Stoßzahn auf dem Bau
Eine weitere Fundstätte für eine solche Waldelefantenschlachtung wurde 2017 mitten in Rom entdeckt: Bei der Vorbereitung eines Hausneubaus in Casal Lumbroso im Nordwesten der italienischen Metropole stießen Arbeiter plötzlich auf einen aus dem Boden ragenden Stoßzahn. Ausgrabungen enthüllten daraufhin eine rund 400.000 Jahre alte Fundschicht mit hunderten versteinerten Knochen und rund 500 Steinwerkzeugen der Acheuléen-Kultur. Mecozzi und sein Team haben daraufhin diese Funde genauer untersucht. Es zeigte sich: “Der größte Teil der Säugetierknochen dieser Fundstätte stammt von einem Exemplar des Europäischen Waldelefanten”, berichten die Paläontologen.
Die Lage der Elefantenknochen in einem alten Flussbett legt den Forschenden zufolge nahe, dass dieser Waldelefant möglicherweise im Schlamm feststeckte und dann entweder von alleine starb oder von den Frühmenschen erlegt wurde. “Die Häufung von Elefantenknochen in Flussumgebungen ist kein Zufall: Diese Tiere wanderten offenbar häufig in sumpfige Gebiete und blieben dann darin stecken”, erklären die Forschenden. Für die Frühmenschen jener Zeit war dies ein buchstäblich gefundenes Essen – auch im urzeitlichen Casal Lumbroso. Bearbeitungsspuren an vielen Knochen und die zahlreichen scharfen Steinklingen deuten darauf hin, dass der Elefantenkadaver anschließend an Ort und Stelle zerlegt und ausgeschlachtet wurde. “Eine steinerne Handaxt wurde nur rund 15 Meter vom Kadaver entfernt gefunden, was ebenfalls für eine Assoziation dieser Waffe mit der Schlachtung oder einer ähnlichen Aktivität spricht”, schreibt das Team.






