Die späte Blüte einer kleinen Galaxie haben Michael Corbin vom Space Telescope Science Institute in Baltimore, Maryland, und William Vacca vom Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik in Garching beobachtet. Die 68 Millionen Lichtjahre entfernte Zwerggalaxie POX 186 entstand erst vor etwa 100 Millionen Jahren, als zwei kleinere Sternhaufen verschmolzen. „ Das ist eine überraschende Entdeckung”, sagt Corbin. Denn die meisten Galaxien im Universum sind schon viele Milliarden Jahre alt. POX 186 ist 900 Lichtjahre groß und besitzt nur etwa zehn Millionen Sterne. Die Galaxie wurde vor 20 Jahren entdeckt und gehört zu den Blauen Kompakten Zwerggalaxien. Vermutlich dauerte ihre Entstehung so lange, weil sie sich in einer sehr ausgedehnten leeren Region des Weltraums befindet. Ihr nächster Nachbar ist rund 30 Millionen Lichtjahre entfernt. In dichteren Gebieten wäre die Verschmelzung der Sternhaufen schneller gegangen. Auch wenn die Daten des Hubble-Weltraumteleskops, mit dem die Astronomen POX 186 ins Visier nahmen, das Alter der Sterne nicht verraten, sind diese vermutlich nicht älter als eine Milliarde Jahre – also in kosmischen Maßstäben noch relativ jung. POX 186 passt gut zu einer als „Downsizing” benannten Vorstellung der Galaxienentwicklung: Die leichtesten und kleinsten Objekte bilden sich zuletzt. Die größten dagegen, die gigantischen Elliptischen Galaxien, besitzen kaum noch junge Sterne und formten sich schon in der ersten Jahrmilliarde des Universums.
Hans Groth





