Was war nach dem Rad die nächste Erfindung, die die Welt grundlegend veränderte? Der Kompass, urteilt Amir Aczel. Erst er habe die Umsegelung der Welt, weit verzweigte Handelsnetze und eine Kartierung unseres Planeten ermöglicht.
Wie beim Rad weiß beim Magnetkompass ebenfalls niemand, wer ihn erfand. Auch Aczels umfangreiche Recherche liefert keine endgültige Antwort. Die Ursprünge waren offenbar in China und reichen rund tausend Jahre zurück. In der dortigen Agrargesellschaft wurde der Kompass allerdings vermutlich weniger zur Navigation als zum Fengshui, der Lehre von Wind und Wasser, verwendet, mit deren Hilfe die Architekten damals ihre Häuser planten.
Wie die Magnetnadel vom Fernen Osten nach Europa kam, ist unbekannt. In Amalfi fand Aczel das Denkmal eines gewissen Flavio Gioia, der 1302 den Kompass erfunden haben soll. Fraglich ist allerdings, ob es Gioia überhaupt gegeben hat. Fest steht: Um diese Zeit startete das neue Navigationsinstrument seinen Siegeszug und legte den Grundstock für die Vorherrschaft von Handelsmächten wie etwa Venedig.
Der Wissenschaftsautor und Mathematik-Professor Amir Aczel erzählt die Historie des Kompasses fundiert und spannend. Das Thema ist ihm auf den Leib geschneidert: Aczel wuchs auf einem Passagierschiff auf, das im Mittelmeer kreuzte. Bereits mit 10 Jahren lernte er von seinem Vater, dem Kapitän, ein Schiff nach dem Kompass zu steuern. Wolfgang Blum
Amir D. Aczel DER KOMPASS Eine Erfindung verändert die Welt Rowohlt Reinbek bei Hamburg 2005 175 S., € 17,90 ISBN 3-498-00056-X





