Der sonnigste Fleck auf dem Mond liegt an dessen Nordpol: Er wird ununterbrochen von der Sonne beschienen. Das vermuten amerikanische Wissenschaftler aufgrund von Bildern, welche die Raumsonde Clementine vom Mond geschossen hat. Die Temperatur in der permanent besonnten Polregion ist relativ konstant und für Mondverhältnisse mild. Der Nordpol ist deshalb eine gute Stelle, um neue Forschungsgeräte für den Langzeitgebrauch aufzustellen.
Weil die Drehachse des Mondes fast senkrecht zur Bahnebene um die Sonne steht, vermuteten die Forscher die Zonen mit den längsten Licht- und Schattenperioden an den Polen. Während Talsohlen permanent im Schatten liegen können, werden höhere Lagen möglicherweise ununterbrochen von der Sonne beschienen. Da der Nordpol des Mondes am Rand von drei großen Kratern liegt, ist er ein Hochland. Die Wahrscheinlichkeit, dass er von der Sonne permanent beschienen wird, ist deshalb groß. Im Gegensatz dazu liegt der Südpol des Mondes innerhalb des so genannten Südpol-Aitken-Beckens. Kein Punkt der Gegend um den Südpol wird daher dauernd von der Sonne beschienen.
Mithilfe der Fotos erstellten die Wissenschaftler eine Karte, welche die Zeit aufzeigt, während der bestimmte Gebiete beleuchtet werden. Mehrere Stellen am Nordpol werden permanent von der Sonne beschienen. Sie liegen alle am Nordrand des Peary-Kraters, einer 73 Kilometer breiten Vertiefung nahe des Mond-Nordpols. Weil die Daten jedoch nur während eines Mondtages im Sommer aufgenommen wurden, können die Forscher noch nicht definitiv sagen, dass diese Gebiete das ganze Jahr über sonnig sind. Sie sind aber sicherlich die am häufigsten besonnten Zonen am Nordpol und die Stellen mit der größten Wahrscheinlichkeit, ohne Unterbrechung in der Sonne zu stehen. Die Forscher entdeckten auch permanent im Schatten liegende Gebiete: Sie liegen in kleinen Einschlaglöchern am Boden des Peary-Kraters und könnten Eis enthalten.
Die ununterbrochen besonnten Stellen werden von der Sonne reichlich mit Wärme versorgt. Die Temperatur ist mit minus 60 bis minus 40 Grad Celsius relativ konstant, verglichen mit dem Äquator, wo sie zwischen minus 180 und plus 100 Grad Celsius schwankt. Zudem liegen die permanent besonnten Stellen in der Nähe der ununterbrochen im Schatten liegenden Orte, in denen Eis vermutet wird. Die Sonnenplätzchen wären deshalb günstige Stellen für Forschungsaußenposten auf dem Mond, wie die Forscher erklären.
Ben Bussey et al ( Johns-Hopkins-Physiklabor, Laurel): Nature, Bd. 434, S. 842
ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi





