Wenn ein sehr massereicher Stern am Ende seines Lebenszyklus angelangt ist, explodiert er in einer Supernova. Er schleudert dabei seine Hüllen ab und sein Kern kollabiert zu einem Schwarzen Loch. Solche stellaren Schwarzen Löcher sind zwar selbst unsichtbar, weil sie alles Licht schlucken. Astronomen können sie aber über ihre Wirkung auf ihre kosmische Umgebung aufspüren. Meist gelingt dies, wenn die Schwarzen Löcher gerade Materie verschlingen und sich um ihren Ereignishorizont eine rotierende Scheibe aus heißen, Röntgenstrahlung abgebenden Gasen bildet. Seit 2016 haben Forscher zudem mehrere stellare Schwarze Löcher über die Gravitationswellen nachgewiesen, die bei der Verschmelzung zweier solcher Objekte entstehen. Doch ein Rätsel bleibt: Astronomischen Modellen zufolge müsste es in unserer Milchstraße zwischen 100 Millionen und rund einer Milliarde stellare Schwarze Löcher geben, gefunden haben Astronomen davon aber erst wenige hundert. Denn inaktive Schwarze Löcher entziehen sich meist der Beobachtung.
Der “Dritte im Bunde” ist unsichtbar
Doch es gibt Konstellationen, in denen sich auch solche “unsichtbaren” Schwarzen Löcher verraten können, wie nun eine Entdeckung von Thomas Rivinius von der Europäischen Südsternwarte (ESO) und seinen Kollegen belegt. Im Rahmen einer Studie über Doppelsternsysteme hatten sie die Bewegungsdaten solcher Sternenpaare mithilfe eines Teleskops am La-Silla-Observatorium in Chile untersucht. Dabei fiel ihnen das Doppelsternsystem HR 6819 ins Auge. Dieses Paar von bläulich leuchtenden Sternen liegt rund 1000 Lichtjahre von uns entfernt und ist am Himmel der Südhalbkugel schon mit bloßem Auge sichtbar. Doch die Analysen der Umlaufbahnen dieser beiden Sterne enthüllten, dass es in diesem System noch einen dritten, rund vier Sonnenmassen schweren Partner geben muss, wie die Forscher berichten. Dieser wird von einem der beiden Sterne im Laufe von 40 Tagen umkreist, während der zweite Partner mit deutlich größerem Abstand um beide herumläuft.
Doch in den Teleskopdaten war von diesem Objekt keine Spur zu erkennen. Nach Ansicht der Forscher lässt dies nur einen Schluss zu: “Ein unsichtbares Objekt mit einer Masse, die mindestens viermal so groß ist wie die der Sonne, kann nur ein Schwarzes Loch sein”, erklärt Rivinius. “Wir waren völlig überrascht, als wir feststellten, dass dies das erste Sternsystem mit einem Schwarzen Loch ist, das man mit bloßem Auge sehen kann”, ergänzt Co-Autor Petr Hadrava von der Tschechischen Akademie der Wissenschaften. Doch nicht nur das: Dieser verborgene Riese in H 6819 ist das der Erde am nächsten gelegene Schwarze Loch. Bisher galt ein aktives, Röntgenstrahlen aussendendes Schwarzes Loch im rund 3500 Lichtjahre entfernten Doppelsystem V6161 Monocerotis als unser nächster “schwarzer” Nachbar. Das neu entdeckte Schwarze Loch in HR 6819 ist uns jedoch dreimal näher.





