Ungewöhnliche Orbits im Kuipergürtel
Mike Brown und Konstantin Batygin vom California Institute of Technology sind dieser Frage nachgegangen und haben die Orbits der ungewöhnlichen Kuipergürtel-Objekte nun noch einmal analysiert. Und tatsächlich: Sechs davon folgen einem elliptischen Orbit, der in die gleiche Richtung zeigt, obwohl alle unterschiedlich schnell wandern und ihre Bahnen nicht gleich groß sind. Und noch etwas ist ungewöhnlich: Die Orbits dieser sechs Himmelskörper sind alle um das gleiche Maß geneigt: Alle weichen um 30 Grad von der Bahnebene der restlichen Planeten und Objekte im Sonnensystem ab. “So etwas kann nicht einfach zufällig passieren”, sagt Brown. Die Wahrscheinlichkeit dafür liege bei nur 0,007 Prozent. “Es muss daher etwas Anderes geben, dass diese Orbits beeinflusst.” Zunächst tippten die Astronomen auf mehrere schwerere Objekte im äußeren Kuipergürtel, vielleicht eine Gruppe von Zwergplaneten, die diese Schwerkraftwirkung ausübt. Doch Modellrechnungen schlossen dies aus: Der Kuipergürtel müsste dafür 100 Mal massereicher sein als er es den Beobachtungen nach ist.
Was aber war es dann? Konnte sich dort draußen tatsächlich doch ein größerer Planet verstecken? Brown und Batygin führten weitere Simulationen durch und kamen zu einem überraschenden Ergebnis: Alle bisher beobachteten Anomalien im Kuipergürtel lassen sich erklären, wenn es einen etwa neptungroßen Planeten gibt, dessen Orbit entgegengesetzt zu dem aller anderen Planeten und Kuipergürtel-Objekten steht. Sein sonnennächster Punkt muss um 180 Grad gegen den aller anderen Objekte verschoben sein, so die Forscher. “Zuerst dachten wir: Diese orbitale Geometrie kann nicht richtig sein”, berichtet Batygin. “Ich hatte so etwas noch nie in der Himmelsmechanik gesehen.” Doch nach und nach passten immer mehr Beobachtungen zu der Existenz eines solchen “Planet 9”. “Als wir fortfuhren, seinen Orbit zu untersuchen und was dies für die anderen Objekte im äußeren Sonnensystem bedeuten würde, wurden wir immer überzeugter, dass er dort draußen ist”, so der Forscher. Denn auch die Bahnen von Sedna und einem weiteren größeren Himmelskörper in dieser Region ließ sich perfekt durch die Präsenz eines neunten Planeten erklären.
“Klare Indizien für einen Planeten”
Nach Ansicht der Astronomen sprechen die Indizien klar dafür, dass es im Sonnensystem tatsächlich einen neunten Planeten gibt. “Zum ersten Mal seit 150 Jahren gibt es Belege dafür, dass die Planetenzahl im Sonnensystem unvollständig ist”, sagt Batygin. Sein Kollege Brown ergänzt: “Seit der Antike wurden nur zwei neue Planeten im Sonnensystem entdeckt und das wäre nun der dritte. Das ist wirklich aufregend.” Wie die Forscher erklären, wurde Planet 9 wahrscheinlich deshalb bisher nicht aufgespürt, weil seine Bahn so weit außen liegt und er den größten Teil der Zeit außerhalb der Reichweite normaler Teleskope liegt. Wie die Astronomen ermittelten, muss Planet 9 rund zehnmal massereicher sein als die Erde. Er benötigt für einen Umlauf um die Sonne zwischen 10.000 und 20.000 Jahre und ist unserem Stern dabei im Durchschnitt 20 Mal ferner als der Neptun.





