Das Tamu-Massiv erstreckt sich über eine Fläche von 310.000 Quadratkilometern und ist Teil eines Ozeanplateaus namens Shatsky Rise, das vor der Südost-Küste Japans liegt. Viele Forscher gehen davon aus, dass sich solche Plateaus bilden, wenn riesige Magmamengen aus dem Erdinneren aufsteigen und sich durch massive Eruptionen ihren Weg an die Erdoberfläche bahnen. Andere vermuten, dass sie entlang von Rissen oder Schwachstellen in der Kruste entstehen. Einige sehen gar Meteoriteneinschläge als Ursache.
Das Tamu-Massiv entstand vermutlich vor mehr als 100 Millionen Jahren. Damals trafen ganz in seiner Nähe drei tektonische Platten aufeinander. Wie ein typischer Vulkan sieht das Basalt-Plateau auf den ersten Blick nicht aus – vor allem, weil seine Hänge eine extrem geringe Neigung von kaum mehr als einem Grad haben. Trotz seiner enormen Fläche erhebt sich das Tamu-Massiv an seiner höchsten Stelle nur knapp vier Kilometer über den Meeresgrund. Um dem Geheimnis seiner Entstehung auf den Grund zu kommen, nahmen die Wissenschaftler Bohrkerne und erstellten ein seismisches Profil der riesigen Formation.
Ein einsamer Riese
Bereits die Bohrproben zeigten Spuren massiver Eruptionen. Die Forscher fanden dicke Gesteinsschichten, die darauf hindeuteten, dass hier einst Lava schnell und in großen Mengen über den Meeresgrund geflossen war. Das bestätigten auch die seismischen Messungen. Die Reflektion der Schallwellen im Untergrund, so schreiben die Forscher, deute auf zahlreiche Lavaschichten hin, gelegentlich unterbrochen durch Sedimentablagerungen. Quelle der Lavaflüsse ist der Gipfel des Tamu-Massivs. Er hat zwei Vertiefungen, die in Form und Größe den Kratern aktiver Schildvulkane ähneln – einer Vulkangattung, die sich durch ihren flachen, ausgedehnten Kegel auszeichnet. Solche Berge entstehen, wenn sich dünnflüssige Lava nach dem Ausbruch schnell ausbreitet. Die Krater wiederum sind Überreste flacher Magma-Kammern, die sich beim Ausbruch entleert haben. „Andere ozeanische Plateaus haben eine ähnliche Morphologie und entstanden vermutlich auf dieselbe Weise”, schreiben die amerikanischen und japanischen Forscher.
Dennoch ist das Tamu-Massiv etwas Besonderes. „Es ist bemerkenswert, dass sich das Tamu-Massiv als ein einziger enormer Schildvulkan entpuppt”, erklärt das Team. Die Insel Hawaii etwa verdankt ihre Existenz insgesamt fünf Schildvulkanen – auf einer Fläche, die bedeutend kleiner ist. Auch auf Island gibt es mehrere Feuerspucker. Warum haben wir es hier also mit einem einsamen Giganten zu tun? Die Forscher vermuten, dass sich in kurzer Zeit enorme Magmamengen bildeten, die schließlich im Zuge massiver Eruptionen innerhalb kurzer Zeit an die Erdoberfläche geschleudert wurden. Da die Erdplatten vergleichsweise schnell über die Quelle des flüssigen Gesteins hinwegdrifteten, formte der nächste Ausbruch weitere Erhebungen entlang des Shatsky Rise, anstatt das Tamu-Massiv weiter aufzutürmen. Wie die enormen Magmamengen entstanden und wo sie vor dem Ausbruch gespeichert wurden, darauf haben die Forscher jedoch noch keine Antwort.





