von THORSTEN DAMBECK
Um den vulkanischen Hexenkessel auf Io zu beobachten, braucht es kein Riesenteleskop. Das hat Jeff Morgenthaler vom Planetary Science Institute im US-Bundesstaat Arizona gezeigt. Die Forschungseinrichtung betreibt seit 2017 das Io Input/Output observatory, kurz IoIO genannt. Grundlage dafür ist ein gutes Amateurfernrohr mit 35-Zentimeter-Spiegeloptik. Der Clou ist eine spezielle Technik, die auch zur Beobachtung der Sonnenkorona eingesetzt wird. Sie blockiert das grelle Licht Jupiters und bildet so das schwache Leuchten in dessen Umgebung ab. Es hat seine Ursache in Emissionen, die nicht von dem Riesenplaneten stammen, sondern von den Gasen, die sein feuriger Begleiter ins Weltall spuckt. Je heller die Gase glühen, desto aktiver ist Io.
Die bislang heftigste Eruption begann zwischen Juli und September 2022 und dauerte bis in den Dezember. Dabei ging die Aufhellung von Natrium und von ionisiertem Schwefel aus.
Doch etwas war seltsam: Diesmal leuchteten die Schwefel-Ionen, die im Io-Plasma-Torus wie in einem riesigen Reifen Jupiter umrunden, nicht so hell wie in vorangegangenen Ausbrüchen. „Dies könnte etwas über die Zusammensetzung des vulkanischen Materials aussagen, das den Ausbruch verursacht hat“, spekuliert Morgenthaler.
Heizen mit Gezeiten
Der innerste Großmond von Jupiter ist aufgrund seines enormen Vulkanismus einzigartig unter den 92 bekannten Trabanten des Riesenplaneten. Mit einem Durchmesser von 3643 Kilometern ist Io nur geringfügig größer als unser Mond, auch seine mittlere Dichte ist mit 3,53 Gramm pro Kubikzentimeter ähnlich. Doch damit enden die Gemeinsamkeiten. Denn auf Ios Oberfläche sind keine Einschlagkrater sichtbar. Sie zeigt sich zudem farbenfroh. Gelb, bräunlich und orange dominieren; hinzu kommen weiße und schwarze Flecken.
Was entfernt an den Käsebelag einer Pizza erinnert, sind in Wahrheit die Relikte von Ausbrüchen der Io-Vulkane. Mittlerweile sind rund 250 aktive Exemplare bekannt, die ersten hat die NASA-Sonde Voyager 1 im Frühjahr 1979 entdeckt. Die auffälligsten vulkanischen Spuren konnte Voyager bereits aus großer Distanz fotografieren: Eruptionen, die Hunderte Kilometer hoch ins All schießen und riesige schirmförmige Rauchfahnen erzeugen.
Im Durchschnitt ist es auf Io mit minus 163 Grad Celsius zwar eisig. Das liegt daran, dass sein Sonnenabstand mehr als das Fünffache des irdischen Monds beträgt. Bei den Ausbrüchen sind jedoch Temperaturen von 1300 Grad Celsius gemessen worden. Das Material aus seiner heißen Unterwelt speit Io nicht, wie auf der Erde, aus Feuerbergen, sondern aus großen Senken im Gelände.





