Aus meteorologischer Sicht trieb es aber der vergangene Sommer noch extremer: Auf einer riesigen Fläche von rund zwei Millionen Quadratkilometern – das Sechsfache der Fläche Deutschlands – wurden neue Hitzerekorde gemessen. Die Temperaturen lagen zwischen 6,7 und 13,3 Grad über dem bisher im Sommer gemessenen Mittelwert. Sie kletterten sogar noch um 0,2 Grad höher als im Sommer 2003. Die Meteorologen stellten das fest, in dem sie die Daten der beiden heißen Sommer mit Temperaturaufzeichnungen verglichen, die es seit 1871 gibt. Für die Zeit davor benutzten sie Werte, die man unter anderem aus historischen Dokumenten, Baumringen und Eisbohrkernen erschließen kann.
Die Hitzewelle 2010, die von Anfang Juli bis Mitte August dauerte und durch große Trockenheit verschärft wurde, hatte ihren Schwerpunkt allerdings nicht in Mittel-, sondern in Osteuropa. Insbesondere im Westen Russlands kam es so zu Ernteausfällen, Bränden und nach ersten Schätzungen zu rund 55.000 hitzebedingten Todesfällen. Die Stadt Moskau erstickte in Rauch und Abgasen. Der ökonomische Schaden wird auf 15 Milliarden US-Dollar beziffert. Zwar schwitzten auch in Deutschland Reisende in unklimatisierten Zügen, dennoch bleibe in Mitteleuropa der Sommer von 2003 als noch extremer in Erinnerung, meint Luterbacher. Das liege insbesondere daran, “dass Westeuropa 2003 von der Hitzewelle mehr betroffen war und es über einen langen Zeitraum heiß blieb.”
Klimamodelle der Forscher sagen uns nun weiterhin heiße Zeiten voraus: Hitzewellen wie 2003 und 2010 könnten demnach gegen Ende des Jahrhunderts fast schon zur Normalität werden. “Aus Einzelereignissen, wie sie die Hitzewellen von 2003 oder 2010 darstellen, lassen sich allerdings keine direkten Aussagen über den Klimawandel ableiten”, schränkt Luterbacher ein. “Dass diese zwei Rekordsommer und drei weitere sehr heiße Sommer in den letzten zehn Jahren stattfanden, ist jedoch bemerkenswert, und die Häufung dieser Phänomene stimmt uns nachdenklich.”





