Den Anstoß für die Debatte um den hypothetischen neunten Planeten im Sonnensystem begann im Jahr 2016, als Astronomen die Bahnen einiger transneptunischer Objekte näher analysierten. Dabei zeigte sich, dass einige dieser eisigen Himmelskörper am Außenrand unseres Sonnensystems auf auffällig gleiche Weise von dem erwarteten Orbit abwichen. Seither spekulieren Forscher darüber, ob diese Anomalien möglicherweise durch die Schwerkrafteffekte eines noch unentdeckten Planeten verursacht werden. Dieser “Planet 9” ist Modellen zufolge etwa neptungroß und kreist auf einem stark exzentrischen und geneigten Orbit, der bis zu 1500 astronomische Einheiten weit von der Sonne wegreicht. Ob es diesen Planeten aber wirklich gibt, ist umstritten – auch, weil anhand gängiger Planetenbildungsmodelle nur schwer erklärbar ist, wie ein Planet in eine so ungewöhnliche Umlaufbahn geraten kann. Hypothesen dazu reichen von Störeffekten des Jupiter bis zu einem eingefangenen Exoplaneten.
Exoplanet auf exotischer Außenbahn
Jetzt haben Astronomen um Meiji Nguyen von der University of California in Berkeley einen Exoplaneten entdeckt, der die Spekulationen um Planet 9 wieder anheizen könnte. Denn der 336 Lichtjahre entfernte Planet HD 106906 b kreist auf einer ähnlich ungewöhnlichen Bahn. Der rund elf Jupitermassen schwere Exoplanet ist Teil eines mit 15 Millionen Jahren noch sehr jungen Doppelsternsystems. Ersten Aufnahmen im Jahr 2013 zufolge liegt HD 106906 b jedoch rund 730 astronomische Einheiten von seinen beiden Zentralsternen entfernt. Übertragen auf unser Sonnensystem wäre dieser Planet damit 25 Mal weiter von der Sonne entfernt als der Neptun. Er läge damit noch weit außerhalb des Kuipergürtels, einem Reservoir eisiger Kometen und Kleinplaneten am Außenrand des Sonnensystems. Zudem liegt HD 106906 b nicht in der Bahnebene seines Systems, sondern 21 Grad darüber.
Doch die ersten Beobachtungen dieses exotischen Exoplaneten konnten noch nicht klären, ob HD 106906 b überhaupt noch Teil seines Systems war. Theoretisch wäre es auch möglich, dass er herausgeschleudert wurde und damit auch nicht mehr in einer Umlaufbahn um die Zentralsterne kreist. Um diese Frage zu klären, haben Nguyen und ihr Team nun 14 Jahre an Beobachtungsdaten des Hubble-Weltraumteleskops sowie Daten des Gaia-Sternenkatalogs ausgewertet. Aus diesen Analysen geht hervor, dass HD 106906 b seine Sterne in einem echten, noch durch die Schwerkraft an die Sterne gebundenen Orbit umkreist. Wegen seiner großen Entfernung benötigt er für einen Umlauf allerdings 15.000 Jahre. Ähnlich wie für Planet 9 prognostiziert, folgt der Exoplanet einem stark exzentrischen Orbit, der um 36 bis 44 Grad gegen die Bahnebene seines Systems geneigt ist. Er kommt seinen Sternen selbst bei seiner nächsten Annäherung nie näher als etwa 500 astronomische Einheiten, wie die Astronomen ermittelt haben.





