Die aufregende Reise des Mars-Rovers Spirit hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Vergangene Woche erklomm das ferngesteuerte Mars-Auto den Rand des Gusev-Kraters, in dem es vor 20 Monaten gelandet war. Der Gipfel des “Husband Hill”, auf dem sich Spirit zurzeit befindet, liegt 82 Meter höher als die Ebene, die den Krater umgibt. Die Sonde schickte einmalige Panorama-Aufnahmen zur Erde.
“Als die Bilder herunterkamen und wir in allen Richtungen den Horizont sehen konnten, war das ebenso überwältigend, wie auf der Erde einen Gipfel zu besteigen”, schwärmte Chris Leger vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa. Der Zweck der Klettertour bestand allerdings weniger darin, die gute Aussicht zu genießen. Vielmehr sollte Spirit die Mars-Geologie erforschen, die in den Gesteinen am Kraterrand freigelegt ist.
Die Nasa hatte den 150 Kilometer im Durchmesser messenden Gusev-Krater als Landeziel ausgewählt, weil sie dort Spuren eines früheren Sees zu finden hoffte. Auf dem Kraterboden waren solche Spuren allerdings von vulkanischem Gestein überdeckt, weshalb Spirit nach Südosten geschickt wurde, zu einer drei Kilometer entfernten Hügelkette, die offenbar aus geschichteten Ablagerungen bestand. Das Spirit-Team nannte die Hügel nach der Crew der 2003 verunglückten Raumfähre “Columbia Hills”. Die höchste der Erhebungen erhielt ihren Namen nach dem Kommandanten der Columbia, Rick Husband.
Auf dem Weg zu der Hügelkette, die gleichzeitig den Kraterrand bildet, entdeckte Spirit immer mehr Gesteine, die während ihrer Geschichte mit Wasser in Berührung gekommen waren. Für die Nasa-Forscher glich Spirits Gipfelsturm einer Wanderung durch die Marsgeschichte. “Mit jedem Meter, den Spirit höher kam, haben wir andere Gesteinstypen gefunden”, berichtet Steve Squyres von der Cornell University im US-Bundesstaat New York. Nun müssen die Marsforscher wie Geologen auf der Erde herausfinden, in welcher Reihenfolge die Schichten abgelagert wurden und welche Kräfte sie nach ihrer Ablagerung verändert haben. Am Kraterrand sind Gesteine freigelegt, die sonst unter der Ebene rund um den Gusev-Krater verborgen liegen und nur durch eine Bohrung zugänglich wären.
Als nächstes soll sich Spirit, dessen Sonnensegel dank mehrfacher Staubreinigung immer noch ausreichend Energie produzieren, nach Süden in die Ebene jenseits des Kraters aufmachen. Dort haben die Marsforscher eine interessante Kante und einen Struktur aus älterem Gestein entdeckt.
Ute Kehse





