von RÜDIGER VAAS
Eine Vorzugsrichtung des Universums wäre eine wahrhaft umfassende Entdeckung. Entsprechend gut müssten die Indizien dafür sein, damit die meisten Kosmologen sie akzeptieren. Denn dann wäre ihr lieb gewonnenes Kosmologisches Prinzip widerlegt. Es besagt, dass das Universum, wenn man über Hunderte von Millionen Lichtjahren mittelt, sehr ähnlich beschaffen ist: überall (Homogenität) und in jeder Richtung (Isotropie). Dieses Prinzip wäre verletzt, wenn sich verschiedene Orte im All drastisch voneinander unterscheiden. Das wäre etwa der Fall, wenn es weit überdurchschnittlich große Strukturen gäbe. Sie ließen sich kaum mit dem aktuellen Standardmodell der Kosmologie vereinbaren, zumal das Universum nicht alt genug wäre, damit sie überhaupt aus den winzigen Dichteschwankungen im Urgas kurz nach dem Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren hätten entstehen können. Ebenso würden Strukturen das Standardmodell widerlegen, wenn sie sich früher als von ihm erlaubt entwickelt hätten – was bei den extrem fernen Urgalaxien der Fall sein könnte, die das Webb-Weltraumteleskop entdeckt hat (bdw 12/2023, „Vorstoß ins frühe Universum“). Neben diesen strukturellen Schwierigkeiten sind auch dynamische Probleme für Kosmologen momentan ein Grund zur Sorge – oder zur Freude, je nach Geschmack. Hier fordern Daten zu kosmischen Bewegungen das Standardmodell heraus.





