An Ede sind 2000 Jahre medizinischer Erkenntnis spurlos vorübergegangen. Er glaubt immer noch an Galenos’ Lehre von den vier Körpersäften Blut, Schleim, gelbe Galle und schwarze Galle, die man durch richtige Diät im Gleichgewicht halten muss. Auch ist er der festen Überzeugung, dass sich durch eine vollwertige Ernährung fast alle Probleme lösen ließen. Durch die richtigen Müslis könne man Krankheiten heilen oder ganz vermeiden, Sonnenbrand und Haarausfall verhindern – und weil Müsliesser ausgeglichen und friedlich seien, gäbe es keine Verbrechen und Kriege mehr. Ede betreibt einen Bioladen namens „Kürbisblüte”. Meine Frau zählt zu seinen Anhängerinnen, und so schickt sie mich ab und zu dort zum Einkaufen hin. Seit ich Ede einmal gestanden habe, dass ich lieber Currywurst mit Pommes Frites esse als Hirseauflauf, versucht er mich jedes Mal zu missionieren. Bei meinem letzten Einkauf musste ich sein selbst hergestelltes Gelee aus Ebereschenbeeren probieren. „Schmeckt nach nichts”, sagte ich. „Vielleicht solltest du noch ein paar Löffel Zucker hinein rühren.” Ede sah mich so entsetzt an, als hätte ich ihm vorgeschlagen, Rattengift hinein zu kippen. „Verkauft sich dein Gelee eigentlich gut?”, lenkte ich schnell ab. „Naja, es geht so” , meinte er. „Aber ich habe mir jetzt einen guten Trick einfallen lassen, der den Umsatz stark steigern wird.” Er gab mir den Deckel eines seiner Geleegläser. „Was fällt dir daran auf?”, fragte er. Ich sah mir den Deckel genau an. „,Edes Ebereschenbeeren-Gelee’ – das hat zwölf ‚e‘, aber keine anderen Vokale”, sagte ich dann. „Das meine ich nicht. Dreh den Deckel einmal um”, meinte Ede. Auf der Innenseite des Deckels war eine runde Pappscheibe eingeklemmt. „Gutschein”, las ich. „Bei Abgabe von neun Gutscheinen erhalten Sie kostenlos ein Glas von Edes Ebereschenbeeren-Gelee.” „Was hältst du davon?”, fragte Ede. „ Gute Idee”, sagte ich, aber insgeheim bezweifelte ich, dass er wegen dieser Gutscheine auch nur ein einziges Glas Gelee mehr verkaufen würde. „Wie viel kostet denn eigentlich ein Glas deines Gelees?” „Neunzig Cent.” „Wegen der Gutscheine bekommst du natürlich nicht für jedes Glas Geld”, wandte ich ein. „Hast du dir schon einmal überlegt, zu welchem Preis du dein Gelee tatsächlich verkaufst?” Das hatte er natürlich nicht. Wissen Sie, welchen Preis Edes Kunden im Mittel für ein Glas Ebereschenbeeren-Gelee bezahlen müssten, wenn sie alle Gutscheine einlösen würden?
Die Lösung des November-Preisrätsels
Bezeichnet man die drei Augenzahlen auf den Säulenoberseiten mit a, b und c, so beträgt das Kopfprodukt und somit auch die Zahl der Würfel p = abc und die Kopfzahl n = 100a + 10b + c. Bei allen Spielwürfeln ist die Summe der Augenzahlen auf zwei sich gegenüberliegenden Flächen immer 7. Das bedeutet: Bei jedem Würfel ist die Augensumme auf den vier vertikalen Flächen jeweils 14. Somit beträgt die Summe aller sichtbaren Augen der drei Säulen 14p + a + b + c. Da dies gleich der Kopfzahl sein soll, gilt 14p + a + b + c = n oder 14abc = 9(11a + b). Weil 14 und 9 keinen gemeinsamen Teiler haben, muss abc durch 9 und (11a + b) durch 14 teilbar sein. Diese beiden Bedingungen sind bei den sechs Kopfzahlen 133, 136, 263, 266, 643 und 646 erfüllt, jedoch nur für 133 stimmt auch die obige Gleichung. Sie ist folglich die gesuchte Kopfzahl.
Die Gewinner
Das Los hat entschieden: Bernhard Sailer, Schelklingen, und Walter Sinhart, Hamburg, erhalten den Hauptgewinn, je ein Fernglas. Buchpreise bekommen: Emma Hille, Lübeck; Walter Mayer, Braunschweig; Thomas Preesen, Bremervörde; Katharina Szipulek, Chemnitz; Ferdinand Wurm, Ibbenbüren. Wir gratulieren den Gewinnern!
So machen Sie diesen Monat mit
Teilnehmen kann jeder, außer den Mitarbeitern des Verlags und deren Angehörigen. Schicken Sie bitte Ihre Lösung (ausschließlich!) auf einer Postkarte bis zum 28. Februar 2006 an:
bild der wissenschaft, Kennwort „Cogito 02|06″
Ernst-Mey-Str. 8
70771 Leinfelden-Echterdingen
Die Lösung und die Namen der Gewinner werden im Mai-Heft 2006 veröffentlicht.
Zu gewinnen
Unter den Einsendern der richtigen Lösung werden ein Hauptgewinn und fünf Bücher ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Hauptgewinn sind zwei RedShift Planetarien auf CD-ROM: Damit lässt sich der Nachthimmel von jedem beliebigen Standort und Zeitpunkt aus simulieren. Angezeigt werden können über eine Million Sterne, mehr als 15 000 Nebel und Sternenhaufen, Galaxien, Quasare sowie alle Planeten und Monde unseres Sonnensystems. 70 animierte Führungen und 36 Exkursionen erklären die wichtigsten astronomischen Objekte, Phänomene und Theorien. Als Buchpreis gibt es den von Michael Hagner herausgegebenen Band „Einstein on the Beach” – unterhaltsame Essays zu Einstein und Dada, Frisuren, Psychoanalyse, Architektur, Politik und Philosophie sowie über Einsteins Gehirn. Näheres unter: www.fischerverlage.de.
Sind Sie noch im Bild der Wissenschaft? – Die richtigen Antworten
1b 2b 3c 4bc 5a 6c 7c 8b 9ab 10abc





