Kugelsternhaufen sorgen immer wieder für Überraschungen. Das erlebte jüngst ein Forscherteam um Richard de Grijs von der Universität Peking: Die Astronomen hatten den 180 000 Lichtjahre fernen Haufen NGC 1818 im Sternbild Schwertfisch, der zur Großen Magellan’schen Wolke gehört, ins Visier genommen. Von einzelnen massereichen Sternen in solchen Haufen ist bekannt, dass sie sich im Lauf der Zeit ins Zentrum des Haufens bewegen, während sich masseärmere Sterne oft an den äußeren Rändern befinden. Bei Doppelsternen hatten die Forscher ebenfalls erwartet, dass sie zum Zentrum hin wandern, da ein solches Paar massereicher ist als ein durchschnittlicher Stern des Haufens. Tatsächlich befinden sich bei NGC 1818 aber mehr Doppelsterne an der Peripherie als im Zentrum. De Grijs nimmt an, dass Systeme aus weit voneinander entfernten Sternen im Zentrum des Haufens zerrissen werden: Da die Sternendichte dort sehr hoch ist, wirkt sich die Gravitation anderer Sterne stark aus, sodass ein vorüberziehender Stern das Doppelgestirn trennen kann. Eng aneinander gebundene Doppelsysteme hingegen überstehen solche Begegnungen in der Regel.
Sollten andere Beobachtungen diesen Befund bestätigen, würde er die theoretischen Beschreibungen der dynamischen Prozesse innerhalb von Kugelsternhaufen erhärten.





