Hunderte von Zwerggalaxien umrunden vermutlich große, sichtbare Sternensysteme. In diesen kosmischen Zwergen verbirgt sich möglicherweise ein großer Anteil an kalter und dunkler Materie, vermuten Amerikanische Astrophysiker. Diese Entdeckung, die die Forscher in dem Fachblatt “The Astrophysical Journal” (Ausgabe vom 10. Juni 2002) veröffentlichen, unterstützt die Hypothese, dass ein Großteil des Materials im Weltraum aus dieser dunklen Materie besteht.
Neal Dalal von der
University of California in San Diego und Christopher Kochanek vom
Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge, Massachusetts, kamen zu diesem Schluss, als sie die Lichtablenkung in den Regionen von sieben großen Galaxien gemessen hatten. Denn Lichtstrahlen breiten sich in der Nähe von Galaxien nicht geradlinig aus, sondern werden durch das Schwerefeld der enormen Massen gekrümmt. Bei der Analyse dieses
Gravitationslinsen-Effektes erkannten sie, das etwa zwei Prozent der Materie in Form von Zwerggalaxien vorliegen müsste. Nur so seien die Helligkeitsschwankungen der Bilder von den dahinter liegenden Sternensystemen zu erklären.
Viele Astronomen gehen heute davon aus, dass rund 90 Prozent des Universums aus dunkler Materie besteht, die direkt nicht beobachtet werden kann, sondern sich nur durch die Gravitations-Wirkung ihrer Masse verrät. Möglicherweise besteht diese Materie aus exotischen Elementarteilchen, die sich sehr langsam bewegen.
Die Existenz der nun entdeckten Zwerggalaxien wurde bereits in vielen Modellen zur dunklen Materie vorhergesagt. Die neuen Messungen unterstützen diese Hypothese. Unklar bleibt den Astronomen jedoch, warum sich eine so große Menge an Materie so effektiv verstecken kann. Zudem können sie noch nicht erklären, weshalb die dunklen Zwerggalaxien nur wenige oder vielleicht überhaupt keine leuchtenden Sterne enthalten, schätzen sie ihren Anteil an “normaler” Materie doch auf rund 10 bis 20 Prozent.
Jan Oliver Löfken