Die aktuellen Ergebnisse der Forscher um Ingas Snellen von der Universität Leiden basieren auf Aufnahmen des Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile. Sie nutzten eine Methode namens hochdispersive Spektroskopie, um die verschiedenen Wellenlängen des Lichtspektrums des Planeten zu trennen. Weil die Bewegung des Planeten die Wellenlängen des Lichts leicht verändert, ermöglicht das Rückschlüsse auf die Dreheigenschaften von Beta Pictoris b. „Mit Hilfe dieser Methode sehen wir, dass sich verschiedene Teile der Planetenoberfläche mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf uns zu oder von uns weg bewegen. Das kann nur bedeuten, dass der Planet um seine Achse rotiert”, erklärt Snellen.
Ein astronomischer Brummkreisel
Den Auswertungen der Forscher zufolge beträgt die Rotationsgeschwindigkeit am Äquator von Beta Pictoris b fast 100.000 Kilometer pro Stunde. Zum Vergleich: Der Jupiter bewegt sich am Äquator mit ungefähr 47.000 Kilometern pro Stunde, während die Rotationsgeschwindigkeit der Erde am Äquator nur 1.700 Kilometer pro Stunde beträgt. Obwohl Beta Pictoris b viel größer als die Erde ist, dauert ein Tag auf diesem Planeten dadurch nur acht Stunden.
„Es ist nicht bekannt, warum sich manche Planeten schnell und manche langsamer drehen”, sagt Co-Autor Remco de Kok, „aber diese erste Messung der Rotation eines Exoplaneten zeigt, dass der im Sonnensystem beobachtete Trend, wonach schwerere Planeten sich schneller drehen, auch auf Exoplaneten zutrifft. Es muss sich dabei um eine universelle Auswirkung des Prozesses der Planetenentstehung handeln”, so der Astronom. Vermutlich wird Beta Pictoris b auch noch schneller werden, sagen die Forscher. Er ist nämlich mit einem geschätzten Alter von nur 20 Millionen Jahren noch ein sehr junger Planet. Man geht davon aus, dass er mit der Zeit abkühlen und schrumpfen wird, wodurch er noch schneller rotieren wird. Allerdings könnten auch andere Prozesse im Spiel sein, die die Rotation des Planeten beeinflussen. Die Rotation der Erde beispielsweise wird durch Gezeitenkräfte verlangsamt, die der Mond ausübt.
Die neuen Ergebnisse zu Beta Pictoris b lassen nun auch auf weitere spannende Detailinformationen über die Eigenschaften ferner Planeten hoffen. Ähnliche Methoden könnten es Astronomen nämlich in Zukunft erlauben, Exoplaneten detailliert zu kartieren – beispielsweise deren Wolkenstrukturen und Stürme. „Mit dem geplanten Mid-infrared E-ELT Imager and Spectrograph (METIS) wird es uns möglich sein, globale Karten von Exoplaneten anzufertigen und sehr viel kleinere Planeten als Beta Pictoris b zu charakterisieren”, sagt Bernhard Brandl, Co-Autor der Studie und Projektleiter von METIS.





