Helle Eiskontinente und dunkle Kohlenwasserstoff-Ozeane bedecken vermutlich die Oberfläche des Saturn-Mondes Titan. Das zeigen Aufnahmen des Very Large Telescope (VLT) in Chile, die Forscher um Markus Hartung von der Europäischen Südsternwarte Eso demnächst in der Fachzeitschrift Astronomy and Astrophysics veröffentlichen.
Mit Hilfe der adaptiven Optik des Very Large Telescope ist es einer Gruppe von Astronomen unter Leitung von Hartung und Tom Herbst vom Max-Planck-Institut gelungen, die Oberfläche des Saturnmondes Titan mit bisher unerreichter Präzision zu fotografieren. Dazu entwickelten die Forscher ein spezielles Gerät, um die Absorption der dichten Methanatmosphäre auf trickreiche Weise zu durchdringen. Auf den Bildern sind dunkle Bereiche in Äquatornähe zu sehen und helle Gegenden auf der südlichen Halbkugel des Mondes.
Die hellen Bereiche reflektieren viel Sonnenlicht und werden von den Forschern als Oberflächen aus Eis, womöglich Methan-Eis, interpretiert. Die dunklen Teile des Titan absorbieren dagegen viel Sonnenlicht. Bei ihnen könnte es sich um Ozeane handeln. Die Forscher gaben den dunklen Strukturen vorläufige Namen wie “Drachenkopf”, “jagender Hund” und “liegendes H”. Den Verdacht, dass es auf dem Titan wahrscheinlich flüssige Oberflächen gibt, hatten US-Wissenschaftler kürzlich mit Radarmessungen bestätigt.
Auf einer Titan-Konferenz, die vergangene Woche in Nordwijk stattfand, berichtete die Astronomin Imke de Pater von der University of Berkeley, dass sie die verschiedenen Atmosphärenschichten von Titan mit Hilfe der adaptiven Optik des Keck-Teleskops auf Hawaii erstmals lokalisieren konnte. Demnach zieht sich eine Schicht aus organischem Dunst in 150 Kilometern Höhe durch die Stratosphäre der Nordhalbkugel von Titan. Der Dunst entsteht, wenn Methanmoleküle durch ultraviolette Strahlung der Sonne zu langkettigen Kohlenwasserstoffen verschmelzen.
An der Grenze zwischen der untersten Atmosphärenschicht und der Stratosphäre in 42 Kilometern Höhe befinden sich, ähnlich wie auf der Erde, Zirruswolken. Über dem Südpol des Titan entdeckten de Pater und ihre Kollegen ebenfalls organischen Dunst in einer Höhe von 30 bis 50 Kilometern.
Die Messungen, die die Forscher zu einem Film verarbeiteten, sollen die Planung für die Sonde Huygens vorbereiten, die im Januar 2005 in die Titan-Atmosphäre eintauchen soll.
Ute Kehse





