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Rezension

Diversität als Normalfall

In „Vielfalt – Eine andere Geschichte der Menschheit“ stellt die Journalistin verbreitete Geschichtsbilder auf den Prüfstand. Entgegen der Annahme, Diversität sei ein Phänomen der Gegenwart, das erst durch Feminismus, Migration oder aktuelle gesellschaftspolitische Bewegungen entstanden sei, argumentiert Llanque, dass …

Diversität als Normalfall
In „Vielfalt – Eine andere Geschichte der Menschheit“ stellt die Journalistin verbreitete Geschichtsbilder auf den Prüfstand. Entgegen der Annahme, Diversität sei ein Phänomen der Gegenwart, das erst durch Feminismus, Migration oder aktuelle gesellschaftspolitische Bewegungen entstanden sei, argumentiert Llanque, dass Vielfalt in menschlichen Gesellschaften zu allen Zeiten existierte.
Autor
Redaktion
17. Mai 2026
Lesezeit
1 Minute

Anhand zahlreicher historischer Beispiele von der Steinzeit über das Römische Reich bis in die Gegenwart belegt sie, dass Vorstellungen von Geschlecht, sozialer Herkunft, Macht oder Zugehörigkeit stets wandelbar und kulturell unterschiedlich waren. So verweist Llanque etwa auf Julius Cäsar, dessen Körperpflegerituale heutigen Männlichkeitsbildern widersprechen, auf die politisch einflussreiche Kaiserin Agrippina die Jüngere oder auf steinzeitliche Frauen, die jagten. Soziale Benachteiligung und das Zusammenwirken verschiedener Ungleichheiten erscheinen dabei nicht als moderne Phänomene, sondern als historisch gewachsene Strukturen.

Ein zentrales Argument der Autorin lautet, dass heutige Forderungen nach Anerkennung, Teilhabe und Sichtbarkeit keine radikalen Brüche mit der Geschichte darstellen. Sie knüpfen an Realitäten an, die lange marginalisiert oder aktiv verdrängt wurden. Morgane Llanque zeigt, wie historische Narrative gezielt vereinfacht werden, um homogene gesellschaftliche Ordnungen als „natürlich“ darzustellen.

Stilistisch verbindet sie historische Analyse mit politischer Einordnung und vermeidet Polemik. Sie argumentiert klar, mit Blick auf gegenwärtige Debatten, ohne diese in den Vordergrund zu drängen. Es gelingt ihr, Geschichte als offenen und konfliktreichen Prozess mit vielfältigen Perspektiven sichtbar zu machen.

Das Buch bietet eine sachliche, gut zugängliche und anregende Neubetrachtung der Vergangenheit. Gesellschaftliche Diversität ist kein Ausnahmezustand, sondern ein grundlegendes Merkmal der menschlichen Geschichte.

Rezension: Sabine Delorme

Morgane Llanque
Vielfalt – Eine andere Geschichte der Menschheit
Droemer Verlag, 304 S., € 24,–
ISBN 978–3–426–56507–0

Rezension

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