Nur auf Knochenfunde angewiesen, ist es schwierig zu rekonstruieren, wie Dinosaurier wirklich ausgesehen haben. So lässt sich anhand der Nasenöffnung im Schädelknochen nicht unmittelbar auf die Position und Länge der fleischigen Nase schließen. Insbesondere dann nicht, wenn die knöcherne Nasenöffnung mehr als 60 Zentimeter lang ist. In der inzwischen widerlegten Annahme, die Riesenechsen seien amphibische Lebewesen gewesen, positionierte man ihre Nasen bei Rekonstruktionen am oberen Kopf mit nach oben geöffneten Nasenlöchern, wie es für teils im Wasser lebende Tiere vorteilhaft wäre.
Der Paläontologe und Anatom Witmer kommt zu einem anderen Schluss. Vergleichende Untersuchungen der Schädelknochen und Nasen von 45 Arten heutiger Vögel und Reptilien ergaben unerwartete Gemeinsamkeiten für die Ausbildung der Nase. “Ein derart konstantes anatomisches Konstruktionsprinzip findet man ziemlich selten”, sagt Witmer. Übertragen auf die Saurier, müssen deren Nasen viel länger und die Nasenlöcher weiter vorgelagert (s. Grafik) gewesen sein, als bisher angenommen.
Das wäre auch für verschiedene biologische Funktionen von Vorteil. Die gut durchbluteten Schleimhäute der Nase erwärmen, befeuchten und filtern die Atemluft und kühlen ausserdem das Blut auf dem Weg ins Gehirn. Je länger die Nase, desto besser können diese Aufgaben erfüllt werden. Auch für die Funktion als Geruchsorgan ist es von Vorteil, wenn die Nasenlöcher im Bereich der Tast- und Geschmacksrezeptoren des Mauls liegen.
Aufgrund ihrer Größe und Komplexität muss die Nase für einen Dinosaurier eine wichtige Rolle gespielt haben. “Wir haben vielleicht einige Antworten darauf erhalten, wie diese Tiere bei ihrer Größe überhaupt leben konnten”, sagt Witmer. Die längsten Nasen rekonstruierte er für den gehörnten Triceratops und die langhalsigen Brontosaurier.





