Auf der Höhe seiner Macht und Größe hatte das Römische Reich mehr als 55 Millionen Einwohner. In der Zeit um das Jahr 150 erstreckte es sich über drei Kontinente – Europa, Afrika und Asien – und reichte von Spanien und Marokko im Westen bis ans Kaspische Meer und nach Mesopotamien im Osten. Um Güter und Menschen – vor allem Soldaten – möglichst schnell und effizient von einem Ort zum andern zu transportieren, wurde ein Netz befestigter Straßen erbaut und kontinuierlich ausgeweitet. Anders als meist unbefestigten Wege anderer Völker besaßen die Römerstraßen ein Fundament aus Steinbrocken, Kies und Sand oder Lehm, auf dem das Straßenpflaster verlegt wurde. Eine gewölbte Oberfläche und Randsteine sorgten dafür, dass Regenwasser sich nicht staute, sondern zu den Seiten hin ablief. Ähnlich wie beim heutigen Straßennetz waren die Straßen nach Bedeutung und Länge unterschiedlich gut ausgebaut und auch die Zuständigkeiten variierten: Breitere, besser ausgebaute Hauptstraßen zwischen wichtigen Zentren wurden von der Zentralregierung in Rom gebaut und unterhalten, regionale und lokale Straßenverbindungen unterstanden hingegen den Provinzen oder Kommunen.

Fahndung nach römischen Straßenverbindungen
Doch trotz seiner enormen Bedeutung in der Antike ist das römische Straßennetz bisher nur unvollständig kartiert. “Es gibt zwar zahlreiche Informationen über Römerstraßen aus archäologischen Ausgrabungen und Kartierungen und auch die in regelmäßigen Abständen an den Straßen aufgestellten Meilensteine sowie historische Quellen beschreiben die wichtigsten Straßenverbindungen zwischen Römersiedlungen”, erklären Pau de Soto von der Autonomen Universität Barcelona und seine Kollegen. Aber diese vielen, ganz unterschiedlichen Quellen zu sammeln und im Rahmen einer übergreifenden Kartierung auszuwerten, ist enorm schwierig und aufwendig. “Es fehlt bisher eine das gesamte Römische Reich umfassende Synthese und Digitalisierung”, so die Forschenden. Bisher kamen erste Kartierungen des römischen Straßennetzes auf eine Gesamtläge von rund 100.000 bis 180.000 Kilometern.
Um die Lücken im Wissen um das römische Straßennetz zu schließen, haben de Soto und seine Kollegen das Projekt Itiner-e lanciert. Ziel war es, das Straßennetz des Römischen Reichs um das Jahr 150 digital hochaufgelöst abzubilden und die verfügbaren Informationen zu jedem Straßenabschnitt abrufbar zu machen. Dafür haben sie noch einmal alle archäologischen und historischen Daten ausgewertet. “Der erste Schritt bestand darin, Römerstraßen auf Basis von zuvor veröffentlichten Karten, archäologischen Untersuchungen, Meilensteinen und regionalen Kartierungen zu identifizieren”, erklärt das Team. Die verschiedenen Daten wurden miteinander abgeglichen und in ein einheitliches Format gebracht. Im zweiten Schritt nutzten die Forschenden Luftbilder und Satellitenaufnahmen, um anhand heute noch sichtbarer Spuren und der Topografie den Straßenverlauf und die Länge der Wege zu präzisieren. Im dritten Schritt wurde schließlich jeder identifizierte und verifizierte Straßenabschnitt einzeln digitalisiert, georeferenziert und in einem Geoinformationssystem (GIS) als Ebene abgespeichert.





