Das Ende der Schneeball-Erde vor 600 Millionen Jahren kam plötzlich und wurde von Erdbeben begleitet. Das belegen Untersuchungen von Sedimenten aus Brasilien, über die brasilianische Geologen im Fachblatt Geology berichten (Bd. 31, S. 613).
Kurz vor der Explosion des Lebens zu Beginn des Erdzeitalters Kambrium wurde die Erde von mehreren extremen Eiszeiten heimgesucht, die jeweils mehrere Millionen Jahre dauerten. Es gibt Hinweise darauf, dass während dieser Schneeball-Episoden die gesamte Landoberfläche von Eis bedeckt war. Inwieweit die Meere ebenfalls zugefroren waren, ist noch umstritten.
Jetzt weisen die Forscher um Afonso Cesar Rodrigues Nogueira, von der Universidade Federal do Amazonas im brasilianischen Manaus mit der Untersuchung der ersten Schneeball-Sedimente aus Südamerika nach, dass zumindest ein Teil der viel diskutierten Schneeball-Theorie der amerikanischen Forscher Daniel Schrag und Paul Hoffmann stimmen könnte: Den brasilianischen Forschern zufolge spricht einiges dafür, dass die Welt binnen weniger Jahrzehnte auftaute und vom Dauerfrost in ein schwülwarmes Waschküchen-Klima wechselte.
Wie in anderen Teilen der Welt finden sich auch in Brasilien in Schichten aus dem so genannten Neoproterozoikum typische Eiszeit-Sedimente, die von einer dicken Karbonat-Schicht bedeckt sind. Der Schneeball-Theorie nach bildeten sich die Karbonate, als die Eisdecke verschwand und die Ozeane durch den plötzlichen Kontakt mit dem Kohlendioxid der Luft so sauer wurden, dass sich das Kalzium aus den Ozeanen mit dem Kohlendioxid zu Karbonatgestein verband.
Nogueira und Kollegen fanden Hinweise darauf, dass die Eiszeit-Sedimente und die Karbonate gemeinsam in noch nicht verfestigtem Zustand von Erdbeben durchgeschüttelt wurden. Das deute darauf hin, dass beide Sedimentschichten kurz nacheinander abgelagert wurden, schreiben die Forscher in Geology. Die Erdbeben führen die Forscher darauf zurück, dass sich die Erdkruste, die plötzlich von dem Eispanzer befreit war, empor hob und dabei ins Beben geriet.
Ute Kehse





