Der bislang unbekannte Lake Engelhardt, ein Gewässer von der Größe des Gardasees, entleerte sich zwischen 2003 und 2006. Über zweieinhalb Jahre verteilt flossen zwei Kubikkilometer Wasser ins Meer, die Eisoberfläche senkte sich dabei um neun Meter. Ein anderer See schwoll dagegen an, der Wasserstand eines dritten schwankte. “Uns war nicht klar, dass sich unter den Eisströmen solch große Mengen Wasser in so kurzer Zeit bewegen”, sagt Helen Fricker. “Wir hatten angenommen, dass solche Veränderungen Jahre oder Jahrzehnte in Anspruch nehmen, aber nicht Monate. Das Ausmaß der entdeckten Bewegungen ist erstaunlich.”
Die Forscher gehen davon aus, dass sich die Seen ständig mit Schmelzwasser füllen. Wenn der Druck unter der Eisdecke zu hoch wird, entleert sich das Reservoir wieder. Wahrscheinlich ist der Abfluss der subglazialen Gewässer durch Eisbarrieren verschlossen. Immer wenn der Wasserdruck zu groß wird, kann ein Teil des Seewassers zum nächsten Reservoir oder ins Meer strömen. Die Gletscherfluten sind zwar zehn- bis hundertmal schwächer als ähnliche Ereignisse in Island, dauern dafür aber über Monate oder Jahre an. Sie beeinflussen höchstwahrscheinlich die Geschwindigkeit der darüberliegenden, etwa einen Kilometer dicken Eisströme. Mit einer Geschwindigkeit von mehreren Metern am Tag zählen der Willhans- und der Mercer-Eisstrom zu den schnellsten Gletschern der Westantarktis. Sie münden in das riesige, schwimmende Ross-Eisschelf.
“Diese Ergebnisse sind enorm wichtig, um vorhersagen zu können, wie der Eisschild der Westantarktis auf die globale Erwärmung reagieren wird”, sagt Helen Fricker. “Sie geben uns ein vollständiges Bild davon, was unter dem Eis passiert.” Die Gletscher der Westantarktis gelten als verhältnismäßig instabil, da große Teile ihrer Basis unterhalb des Meeresspiegels liegen. Wenn dieser Teil des antarktischen Eisschildes zerfiele, würde der Meeresspiegel auf einen Schlag um sieben Meter ansteigen.





