Eine historische Leistung
Doch selbst in dieser kurzen Zeit leistete der kleine Lander ganze Arbeit: Das Mini-Labor mit seinen zehn Instrumenten schnüffelte, bohrte, hämmerte und durchleuchtete den Kometen gemeinsam mit seiner Muttersonde Rosetta. Schon die ersten Auswertungen der dabei gesammelten Daten lieferten einzigartige und überraschende Einblicke in die Natur der Kometen.
“Durch die Landung von Philae auf einem weit entfernten Kometen hat das Rosetta-Team ein neues Kapitel in unserem Verständnis darüber aufgeschlagen, wie sich das Sonnensystem entwickelte – und letztlich auch wie das Leben auf der Erde entstand”, begründet Hamish Johnston von der Physics World die Entscheidung. Neben den faszinierenden Erkenntnissen, die die Rosetta-Mission gebracht hat und noch bringen wird, sei die Kometenlandung aber auch eine Meisterleistung der Raumfahrt. “Die Auszeichnung gebührt auch der technologischen Tour de Force, zehn Jahre lang einem Kometen hinterherzujagen und dann ein Labor auf seiner Oberfläche zu deponieren”, so Johnston.
Die restlichen 9: Kosmos, Quanten und die Kernfusion
Neben diesem physikalischen Durchbruch des Jahres kürten die Herausgeber und Redakteure noch neun weitere Leistungen des Jahres 2014. Kriterien für die Wahl waren dabei: eine fundamentale Bedeutung für die Forschung, ein signifikanter Erkenntnisgewinn, eine enge Verbindung zwischen Theorie und Experiment und die Relevanz für die Physik als Ganzem.
Das kosmische Netzwerk: Im Januar 2014 gelang Astronomen erstmals ein direkter Blick auf das riesige Netzwerk aus Gas, das das gesamte Universum durchzieht. Diese Filamente aus Wasserstoffgas sind quasi die Adern des Kosmos, sie versorgen die Galaxien mit Gasnachschub. Erst das starke Licht eines Quasars ließ nun einen Teil dieses Netzwerks aufleuchten und enthüllte so dessen dreidimensionale Struktur.
Solare Neutrinos: Im August 2014 wiesen Forscher erstmals solare Neutrinos nach – Teilchen, die bei der Fusion von Wasserstoff im Sonneninneren entstehen. Die mit Hilfe des Borexino-Detektors in den italienischen Alpen erhobenen Daten belegten, dass unsere Vorstellungen über die solaren Fusionsvorgänge stimmen und zeigten erstmals, wie hoch die momentane Fusionsrate der Sonne wirklich ist – denn das Sonnenlicht ist bereits 100.000 Jahre alt, wenn es die Sonnenoberfläche verlässt.
Kernfusion: Mit Hilfe starker Laser erreichten Physikern ein wichtiger Fortschritt in der Kernfusion: Es gelang ihnen erstmals, mehr Energie aus einem Fusions-Brennstoff herauszuholen als sie zuvor hineingesteckt hatten. Dafür heizten sie ein Brennstoffpellet aus Deuterium und Tritium mit Hilfe von Laserpulsen so stark auf, dass dabei einige Atome miteinander verschmolzen.





