Baron Münchhausen stopfte sich seine Pfeife und zündete sie an. Dann blickte er in die Runde und begann zu erzählen: „Im Sommer 1745 reiste ich durch Griechenland. Es war außergewöhnlich heiß, selbst für griechische Verhältnisse, und es hatte schon seit Monaten nicht mehr geregnet. Ich begann, unter der Hitze zu leiden, und so beschloss ich, den Hades zu besuchen, um im Reich der Schatten ein wenig Abkühlung zu finden. Um die Rückkehr machte ich mir keine Sorgen, denn was Orpheus geschafft hatte, sollte mir doch wohl auch gelingen.” Münchhausen nahm einen tiefen Zug aus seiner Pfeife und fuhr dann fort: „Am 13. August erreichte ich schließlich den Styx. Mir genau gegenüber, am anderen Ufer des Flusses, gähnte ein riesiges schwarzes Loch in einer Felswand: das Tor zum Hades. Direkt davor lag ein Nachen, halb auf das Ufer gezogen, halb im Wasser. Ein alter Mann lag darin und schlief. Das musste Charon sein, der Fährmann der Unterwelt. Ich rief ihm zu, er möge mich übersetzen und winkte mit einem goldenen Zweig. Sie wissen sicherlich, meine Herren, dass Charon keine Lebenden über den Fluss bringt, außer wenn sie ihm einen goldenen Zweig als Fährlohn geben. Aber Charon beachtete mich gar nicht. Er schob den Nachen in den Fluss und ruderte mit ganzer Kraft stromaufwärts. Ich ritt am Ufer hinter ihm her, aber erst nach einer Stunde hatte ich ihn eingeholt. Genau in diesem Augenblick zog Charon die Ruder in den Nachen, sprang ins Wasser und schwamm, so schnell er konnte, stromabwärts. Ich ritt am Ufer neben ihm und wunderte mich über sein seltsames Verhalten. Als wir schließlich wieder zum Hades-Tor gelangten, schwamm er an mein Ufer und blieb eine Zeit lang erschöpft im Sand liegen. Doch dann kamen wir ins Gespräch: ,Persephone, die Herrscherin der Unterwelt, ist in den letzten Jahren immer boshafter geworden. Sie würde Euch niemals wieder aus dem Hades herauslassen‘, warnte er mich – und ich beschloss, lieber auf meinen Besuch des Schattenreiches zu verzichten. Als ich dann Charons Schwimmleistung bewunderte, sagte er stolz: ,In einem Gewässer ohne Strömung kann ich halb so schnell schwimmen wie rudern.‘ Dann erzählte er mir noch einiges von seiner anstrengenden Arbeit und den vielen Fahrgästen, die er jahrein, jahraus über den Styx brachte. Wir hatten genau zwei Stunden am Ufer gesessen, als der Nachen vorbeitrieb. Charon verabschiedete sich rasch und schwamm zu seinem Boot.” Da wurde Münchhausen von General von Oorde unterbrochen: „Wie viel Zeit hätte Charon denn auf dem Rückweg sparen können, wenn er gerudert statt geschwommen wäre?” „Mein lieber General”, erwiderte der Baron, „das könnt Ihr Euch doch leicht selbst überlegen.” Wissen Sie es?
Die Lösung des Oktober-Preisrätsels
Hatte ein Vater bei der Geburt seines Sohnes ein Alter von x Jahren, dann ist er x+y Jahre alt, wenn sein Sohn y Jahre alt ist. Wenn dabei das Alter des Vaters ein ganzzahliges Vielfaches von dem des Sohnes ist, so gilt x+y = ny oder x = (n – 1)y. Da der Vater dreimal im Leben ein ganzzahliges Vielfaches vom Alter seines Sohnes hat, muss es drei verschiedene Werte von n geben, für die diese Gleichung erfüllt ist, und somit x genau drei Teiler haben. Dies ist nur dann der Fall, wenn x das Quadrat einer Primzahl p ist, denn dann gibt es als Teiler nur 1, p und p2. Die ersten fünf Möglichkeiten sind 22 = 4, 32 = 9, 52 = 25, 72 = 49 und 112 = 121. Da ein Vater bei der Geburt seines Sohnes nicht 4, 9 oder 121 Jahre alt sein kann, muss der Mann auf dem Berggipfel bei der Geburt seines Sohnes 25 Jahre und sein Vater bei seiner Geburt 49 Jahre alt gewesen sein. Der Mann und sein Sohn sind also heute 50 und 25 Jahre alt. Im letzten Jahr waren de Mann und sein Vater 49 und 98 Jahre alt, somit ist sein Vater heute 99 Jahre alt.
Die Gewinner
Das Los hat entschieden: Claus Eckstein, Niederaula, erhält den Hauptgewinn, eine Digitalkamera. Buchpreise bekommen: Wolfgang Döhler, Chemnitz; Christian Grunwald, Dresden; Thomas Kuklok, Reutlingen; Julia Wilke, Waldbronn, und Falk Winkler, Willich. Wir gratulieren allen Gewinnern.
So machen Sie diesen Monat mit
Teilnehmen kann jeder, außer den Mitarbeitern des Verlags und deren Angehörigen. Schicken Sie bitte Ihre Lösung (ausschließlich!) auf einer Postkarte bis zum 31. Januar 2006 an:
bild der wissenschaft, Kennwort „Cogito 1|06″
Ernst-Mey-Str. 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen
Die Lösung und die Namen der Gewinner werden im April-Heft 2006 veröffentlicht.
Zu gewinnen
Unter den Einsendern der richtigen Lösung werden ein Hauptgewinn und fünf Bücher ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Hauptgewinn ist die Damenuhr „Hedonist” von Fortis mit einem gravierten Drehring, bombiertem Mineralglas und Goldauflage. Sie ist wasserdicht bis 30 Meter Tiefe. Als Buchpreis gibt es den von Michael Hagner herausgegebenen Band „ Einstein on the Beach” – mit unterhaltsamen Schilderungen zu Einstein und Dada, Psychoanalyse, Kino, Kindlichkeit, Architektur, Politik und Philosophie sowie originellen Essays über seinen Haarschnitt und sein Gehirn. Nähere Informationen finden Sie unter
www.fischerverlage.de
Sind Sie noch im Bild der Wissenschaft? – Die richtigen Antworten
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