von THORSTEN DAMBECK
Falls es eines Tages Menschen gelingt, die riesigen Distanzen zu den Sternen zu überwinden, so werden sie wohl auch Barnards Stern ansteuern. Momentan 5,96 Lichtjahre entfernt, gehört er zu unserer nächsten interstellaren Nachbarschaft. Dort könnten unsere Nachfahren – vielleicht von Heimweh geplagt – den Blick zum Himmel richten. Im Sternbild Einhorn fiele ihnen dann ein heller Stern auf: die Sonne. Hingegen wäre ihr blauer Heimatplanet sogar in großen Teleskopen unsichtbar, denn die Erde wird von der grellen Sonne überstrahlt. Aber die Raumfahrer könnten die Planeten von Barnards Sterns endlich genau inspizieren. Nach diesen Himmelskörpern hatten Astronomen fast ein Jahrhundert lang gefahndet. Oft tappten sie dabei im Dunkeln.
Der schnellste Zwergstern
An unserem Himmel bewohnt Barnards Stern die Konstellation Schlangenträger. Als Roter Zwergstern gehört er zum mit Abstand häufigsten Sterntyp (weil solche Leichtgewichte extrem langlebig sind). Er hat nur 16 Prozent der Sonnenmasse. Um sein schwaches Licht zu erspähen, ist zumindest ein kleines Fernrohr nötig.
Der Name geht auf den US-amerikanischen Astronomen Edward Barnard zurück, der bereits 1916 die Bewegung seines Studienobjekts vermessen hat. Gleichsam pfeilschnell, jedenfalls für himmlische Objekte, sprintet der Stern über das Firmament – was ihm im deutschen Sprachraum den Namen Pfeilstern einbrachte. Seine Eigenbewegung – von uns aus betrachtet, die größte aller Sterne überhaupt – war es auch, die den Schnellläufer populär machte. Denn eine akribische Vermessung des Himmelswegs, den er im Laufe vieler Jahre hinter sich gebracht hatte, schien etwas ganz und gar Außerordentliches zu offenbaren.
Sternen das Geheimnis zu entlocken, ob sie von Planeten umkreist werden, ist eine knifflige Angelegenheit. Jahrhundertelang war die Wissenschaft daran gescheitert. Und das hatte fundamentale Konsequenzen: Das völlige Fehlen nachweisbarer Planeten außerhalb des Sonnensystems, Exoplaneten genannt, sorgte für ein unvollständiges Weltbild. Die offene Frage war: Sind Planeten womöglich eine extreme Ausnahme im Kosmos – oder vielleicht doch die Regel?
Es ist vor allem der enorme Helligkeitsunterschied zwischen einem Stern und dem schwachen Licht eines potenziellen, eng benachbarten planetaren Begleiters, der solche Beobachtungen so schwierig gestaltet. Dieser Unterschied führt zu einer Überstrahlung des Exoplaneten und verhindert fast immer, diesen direkt in den Blick zu nehmen.
Gleichwohl begann bei Barnards Stern die Suche nach möglichen Planeten schon vor über acht Jahrzehnten. Bereits 1938 beobachteten Astronomen am Sproul-Observatorium des Swarthmore College westlich von Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania den Stern, um dessen Bewegung genauer zu vermessen. Dabei suchten sie auch nach Indizien für mögliche Begleiter.





