Das Gespräch führte SALOME BERBLINGER
Frau Dr. Stefanie Arndt, Ihre Kollegen auf dem Forschungsschiff Polarstern nennen Sie liebevoll „Schneefrau“. Was fasziniert Sie am Forschungsobjekt Schnee?
Schnee ist unfassbar vielfältig: Es gibt hell-weißen Schnee, dunkleren Schnee, und die unterschiedlichen Weißtöne geben Hinweise darauf, was zwischen Ozean, Meereis und Atmosphäre passiert. Wenn Schnee taut, also der Flüssigwassergehalt steigt, wird er ein bisschen dunkler. Das hat sofort zur Folge, dass die sogenannte Albedo – das Vermögen einer Oberfläche, Strahlung zu reflektieren – abnimmt. Die Albedo von frisch gefallenem Schnee liegt zwischen 85 und 95 Prozent. Schmilzt er, liegt die Albedo beim darunterliegenden Meereis allein noch bei 60 Prozent. Sinkt die Albedo, gelangt mehr Energie in den Ozean. Denn er ist dunkelblau und nimmt entsprechend eine ganze Menge davon auf, wenn die Sonne darauf scheint. Er erwärmt sich, was wiederum das Meereis vermehrt zum Schmelzen bringt. Man glaubt es gar nicht, wenn man es nur mit bloßem Auge sieht. Aber die Physik belehrt uns eines Besseren.
In der Antarktis gibt es noch ganzjährig Schnee auf dem Meereis.
Wie steht es um den Schnee in der Antarktis?
Dort gibt es noch eine ganzjährige, relativ dicke Schneeauflage auf dem Meereis. In der Antarktis beobachten wir sehr deutlich, dass fast nichts von der Strahlung durch das Meereis in den Ozean gelangt. Wenn wir unter das Meereis gucken, ist es da pechschwarz. Und das ist faszinierend: Denn trotzdem ist der Südozean einer der artenreichsten Ozeane unserer Welt. Das Ökosystem hat sich genau an diese nicht vorhandene Energie angepasst.
Was lebt denn da im Dunkeln?
Wenn wir von Groß nach Klein gehen, sind zuerst Wale, Robben und Pinguine zu nennen. Dann alles, was kreucht und fleucht. Die großen Tiere ernähren sich im Wesentlichen von Krill. Außerdem gibt es viele Algen und verschiedenste Schwämme. Die Algen etwa brauchen das Meereis als Lebensgrundlage, denn sie docken von unten an. Es gibt also nicht nur Leben unter dem Eis, sondern auch im Eis. Das sehen wir, wenn wir Bohrkerne ziehen.
Wie kommt das Leben ins Eis?





