von THORSTEN DAMBECK
Was wird von den Ereignissen im Jahr 2021 bleiben? Womöglich erinnert man sich an den Sturm auf das US-Kapitol oder an die verheerende Flut im Westen Deutschlands. Manche werden vielleicht die Corona-Olympiade ohne Publikum nicht vergessen. Planetologen haben naturgemäß eine weitere Sicht: Sie würden 2021 wohl zum Jahr des Mars ernennen. Denn nie zuvor stand unser äußerer Nachbarplanet so intensiv im Fokus der Wissenschaft.
Erneut ist in diesem Jahr der NASA die Landung auf dem Mars gelungen, mittlerweile zum neunten Mal. Seit dem 18. Februar ist dort Perseverance (englisch für „Beharrlichkeit“) auf seinen sechs Rädern unterwegs. Mit 1025 Kilogramm wiegt der Rover so viel wie ein Kleinwagen. Technisch ähnelt er Curiosity, der bereits seit neun Jahren auf dem Mars unterwegs ist und inzwischen fast 27 Kilometer zurückgelegt hat (bild der wissenschaft 1/2018, „Curiosity im Mars-Museum“).
Im Vergleich zu den früheren Marsrovern der NASA besitzt Perseverance eine verbesserte Fähigkeit zur autonomen Fortbewegung. Nun kann der Bordcomputer auf Basis von Stereobildern das umliegende Terrain analysieren und dann selbst entscheiden, welche Hindernisse umfahren werden müssen. Dafür braucht der Rover nicht anzuhalten, was die Streckenleistung pro Tag merklich erhöht.
Marsproben für die Erde
Erstmals in den fast sechs Jahrzehnten der Erforschung des Mars mit Raumsonden sollen auch Gesteinsproben zur Erde gebracht werden. Perseverance hat Anfang September eine erste zigarrenförmige Probe aus einem Marsfelsen herausgebohrt und diese luftdicht in einem Titanröhrchen verstaut. Ein erster Versuch einen Monat zuvor war an dem unerwartet porösen Gesteinsmaterial gescheitert. Für die weiteren Probennahmen werden momentan rund 500 Tage veranschlagt; insgesamt sollen 43 Röhrchen befüllt werden. Später sollen sie dann an einer noch zu definierenden Stelle im Gelände abgelegt werden.
Andere Sonden, teils unter Federführung der Europäischen Weltraumbehörde ESA, haben in den nächsten Jahren die Aufgabe, die Röhrchen zu bergen und zur Erde zu bringen. Diese Mars-Sample-Return-Mission ist das komplexeste Projekt der Planetenforschung, das je mit Raumsonden unternommen wurde (bild der wissenschaft 7/2020, „Apollo-Projekt zum Mars“). Das ganze Projekt ist sehr zeitaufwendig: Mindestens ein Jahrzehnt wird es dauern, bis die Proben auf der Erde ankommen.
Die Landestelle von Perseverance liegt in dem 45 Kilometer großen Jezero-Krater am Nordwestrand der Isidis-Tiefebene. Der Krater wurde ausgewählt, weil er einst einen See beherbergte, wie die steinernen Überreste des Deltas am ehemaligen Zuflusspunkt belegen. Manche Forscher hoffen, in dem Sedimentgestein dort auf molekulare Spuren möglicher Marsmikroben zu stoßen.





