So mußte sich ein junger Kollege Wagners, der frisch von der FU Berlin nach München kam, erst in die vielen Wetterbesonderheiten des Voralpenlandes einarbeiten, die er aus dem flachen Berliner Raum gar nicht kannte: Da bricht das föhnige Schönwetter in Minutenschnelle durch trockene Kaltfronten zusammen, oder in einer halben Stunde türmen sich Schwergewitter mit Hagel in den Himmel.
Wie sehr die Vorhersagequalität von der Erfahrung eines Meteorologen abhängt, bewies in den sechziger Jahren der Wetterpapst Richard Scherhag von der Universität Berlin. Als er in den Ruhestand ging, nahm die Trefferquote schlagartig um einige zehn Prozent ab, erinnert sich Christian König, Wetterfrosch bei Antenne Bayern.
Heute kann das dank ausgefeilter Vorhersagemodelle nicht mehr passieren. Dennoch bedarf es immer noch der Interpretation durch Meteorologen. “Die Maschine ist nichts ohne den Menschen”, betont Uwe Wesp vom DWD. Prof. Hoeber von der Uni Hamburg kritisiert, daß kein Meteorologie-Student während seiner Unizeit erlebt, wie “dreidimensional” das Wetter ist. Deshalb spendiert sein Institut den Studenten künftig einen Flug durch die Wolkenstockwerke.
Ein Weg, wie man ein praxisnäheres Studium mit der allgemeinen Forderung nach einer Studienzeitverkürzung vereinbaren könnte: Veraltete Routinearbeiten werden schon im Studium von modernen Hilfsmitteln abgelöst. Das zeitraubende Zeichnen von Analyse-Karten etwa fällt durch Programme wie das vom DWD entwickelte “MAP” (Meteorological Application and Presentation System) weg und wird durch simple Maus-Klicks ersetzt.
Fazit: Theorie ist gut, Praxis ist besser. Meteorologen müssen ein Gefühl fürs Wetter entwickeln – und das liest man nicht aus Formeln, sondern eignet es sich durch Beobachtung an. Eine Reform des Studienganges Meteorologie ist überfällig.





