Das jetzt analysierte Objekt ist ein Doppelsternsystem, das aus einem Weißen-Zwerg-Stern und einem Millisekunden-Pulsar besteht. Dabei handelt es sich um einen Neutronenstern, der sich mit mehr als 300 Umdrehungen pro Sekunde um die eigene Achse dreht und dabei – von der Erde aus betrachtet – in extrem regelmäßigen Abständen Lichtpulse im Radiowellenlängenbereich aussendet. In dem System selbst umkreisen sich die beiden Partner innerhalb von etwa neun Tagen gegenseitig. Die spezielle Konstellation der Umlaufbahn von Pulsar und weißem Zwerg erlaubte es den Forschern, die Masse des Neutronensterns und seines Begleiters so präzise zu bestimmen. Dazu verwendeten sie die sogenannte Shapiro-Verzögerung, eine Folgerung aus Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie, die unter diesen Voraussetzungen sehr viel stärker ausgeprägt ist als in anderen Systemen. Das Prinzip: Die vom Pulsar ausgesendeten Radiowellen werden auf ihrem Weg zur Erde von der Gravitation des Weißen Zwergs beeinflusst, so dass sie erst verspätet ankommen. Diese Verzögerung ermöglicht es, die Masse des Weißen Zwergs vergleichsweise genau zu bestimmen – und daraus lässt sich mit Hilfe der bekannten Daten zum Umlaufverhalten des Systems wiederum ziemlich präzise auf die Masse des Neutronensterns schließen.
Die unerwartet große Masse des Pulsars hilft den Forschern um Paul Demorest vom National Radio Astronomy Observatory in Charlottesville nun, die bestehenden Theorien zum Aufbau von Neutronensternen auf den Prüfstand zu stellen – vor allem, da sich einige von ihnen durch die theoretisch mögliche Maximalmasse unterscheiden. Demnach sei es sehr unwahrscheinlich, dass Neutronensterne aus sehr exotischen Teilchen zusammengesetzt sind, sagen die Forscher. Derartige Modelle könnten daher verworfen werden.
Scott Ransom, einer der Co-Autoren, schwärmt von der Entdeckung: ?Es ist unglaublich, dass eine einzelne Zahl ? die Masse dieses Neutronensterns ? uns so viel über viele unterschiedliche Aspekte der Physik und Astrophysik verraten kann.?





