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Die lange Leitung
Archäologie

Die lange Leitung

Solche Geräte, die als „Ticker“ bekannt wurden, prägten das eingehende Telegraphensignal auf Papierstreifen (Stich, 19. Jahrhundert). Bridgeman Images / Tarker

Die Telegraphie beschleunigte die Kommunikation seit den 1840er Jahren rasant. Nur die Ozeane unterbrachen das schnell wachsende Leitungsnetz. 1857 startete der erste Versuch, ein Kabel über den Atlantik zu legen. Das Unterfangen war zunächst von zahlreichen Fehlschlägen begleitet.
Autor
Redaktion
15. Mai 2026
Lesezeit
12 Minuten
Rubrik
Archäologie
Die Telegraphie beschleunigte die Kommunikation seit den 1840er Jahren rasant. Nur die Ozeane unterbrachen das schnell wachsende Leitungsnetz. 1857 startete der erste Versuch, ein Kabel über den Atlantik zu legen. Das Unterfangen war zunächst von zahlreichen Fehlschlägen begleitet.

Den Bewohnern der 400-Seelen-Gemeinde mit dem idyllischen Namen Heart’s Content und weiteren Tausenden von Schaulustigen aus dem Umland, die sich in den Abendstunden des 27. Juli 1866 am Hafen des kleinen Ortes an der Küste Neufundlands versammelt hatten, muss der Atem gestockt haben. Aus dem dichten Nebel tauchte ein stählerner Gigant auf, wie ihn die Menschen noch nie gesehen hatten, wohl aber aus Berichten in den Gazetten kannten: Es war die „SS Great Eastern“, das mit Abstand größte Schiff der Welt. Dieser mehr als 200 Meter lange, mit fünf Schornsteinen und sechs Masten ausgestattete Schaufelraddampfer war nach Plänen von Isambard Kingdom Brunel, dem bedeutendsten Ingenieur Großbritanniens dieser Epoche, gebaut worden.

Der eine oder andere unter den Schaulustigen wusste, dass Größe und Erfolg selbst in diesen Jahren einer ungebremsten Industrialisierung und Technisierung nicht zwangsläufig Hand in Hand gingen. Der stählerne Riese, der den Zusammenhalt des weltumspannenden Britischen Empires symbolisieren und Passagiere sowie Fracht von der Themse bis nach Australien bringen sollte, war von Unfällen und mangelnder Rentabilität heimgesucht.

4600 Kilometer Kabel für die Verbindung zwischen Europa und Amerika

An diesem Tag indes sollte die „Great Eastern“ Geschichte schreiben: In ihren gewaltigen Frachträumen hatte sie zu Beginn ihrer Reise rund 4600 Kilometer Kabel geladen. Nachdem zuvor mehrere Versuche gescheitert waren, schien nun der Moment gekommen zu sein, eine dauerhafte Telegraphenverbindung zwischen Nordamerika und Europa zu erreichen. Mit der Ankunft in der kleinen Hafenstadt endete die zweiwöchige Reise über den Atlantik, während der das Kabel auf dem Meeresboden verlegt worden war. Nun konnte von Heart’s Content aus die Verbindung zum amerikanisch-kanadischen Netz von Überland- und Unterwasserdrähten erfolgen. Europa und Amerika waren nun verbunden wie nie zuvor; die Kommunikation über große Entfernungen hatte einen Quantensprung getan: Nachrichten, die bislang an Bord eines Schiffes zwei oder mehr Wochen für die Übermittlung von New York nach London gebraucht hatten, gelangten jetzt binnen Stunden auf die andere Seite des Ozeans.

Es war ein langer Weg – nicht nur von der Westküste Irlands bis Neufundland, sondern auch für das Streben der Zivilisationen, Informationen schnellstmöglich zu transportieren. Letztlich ging es darum, mit anderen, die sich außerhalb der Hörweite der menschlichen Stimme befanden, zu kommunizieren. Varianten optischer Informationsübermittlung mit Licht- oder Rauchsignalen wurden in unterschiedlichen Kulturen entwickelt, sowohl in lange zurückliegenden Epochen als auch bis weit in die Neuzeit hinein – jeder Fan von Western-Filmen kennt die von Hollywood meist als unheilverkündend dargestellten Rauchsignale der indigenen Amerikaner.

Am Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. wurden nach Angaben des griechischen Historikers Thukydides Feuersignale im Peloponnesischen Krieg genutzt, dem epochalen Kampf zwischen Athen und Sparta sowie deren jeweiligen Verbündeten von 431 bis 404 v. Chr. Die Übertragung von Lichtsignalen, auch optische Telegraphie genannt, wurde wesentlich effizienter durch die Erfindung des Fernrohres oder Teleskops.

Diese Innovation machte sich unter anderem das von dem Franzosen Claude Chappe konzipierte und als Flügeltelegraph oder Semaphor bezeichnete System zunutze. Während der Französischen Revolution – die einer Reihe technologischer Neuerungen den Weg bereitete – wurden Masten mit weithin sichtbaren Signalarmen installiert, deren jeweilige Stellung einen Buchstaben symbolisierte. Zwischen Paris und Lille, eine Distanz von rund 270 Kilometern, wurden 22 solcher Semaphorstationen installiert. Selbstverständlich nutzte vor allem das Militär des zunächst revolutionären, dann napoleonischen Frankreich diese Einrichtung.

1809 entwarf der deutsche Mediziner Samuel Thomas von Soemmerring ein komplexes telegraphisches System auf der Grundlage von elektrochemischem Strom. Es bestand aus 35 Drähten, einer für jeden Buchstaben des Alphabets und einer für jede Ziffer. Der Absender legte nacheinander einen elektrischen Strom durch die verschiedenen Drähte an, die für jeden Buchstaben einer Nachricht standen; beim Empfänger endeten die Drähte in mit Säure gefüllten Röhrchen. Der Mitarbeiter des Telegraphenempfängers beobachtete die durch die Stromübermittlung von den Säuren per Elektrolyse freigesetzten Wasserstoffblasen in den Gefäßen und konnte dann die übermittelte Nachricht aufzeichnen – so zumindest die Theorie.

Soemmerring soll auf diese Weise eine Nachricht über gut drei Kilometer geschickt haben; er erkannte indes, dass das System nicht praktikabel war. Napoleon, dem das System vorgeführt wurde, habe es mit den Worten kommentiert: „Das ist eine typisch deutsche Idee“ – was man auf die eine oder die andere Art interpretieren kann.

Der Erfinder Samuel Morse verhilft der neuen Technologie zum Durchbruch

Der 1791 in Charlestown bei Boston als Sohn eines Geistlichen geborene Samuel Finley Breese Morse war ein erfolgreicher Maler. Auf der Rückreise von einem zweijährigen Europaaufenthalt wandte er sich 1832 der Elektrizität und dem Elektromagnetismus zu. Nach seiner Heimkehr in die USA verbesserte er die frühe Telegraphie, zu deren Pionieren unter anderem Wilhelm Weber und Carl Friedrich Gauß zählten, die eine rund 1500 Meter lange Leitung in Göttingen vom Physikalischen Kabinett zur Sternwarte gelegt hatten, oder William Cooke und Charles Wheatstone, die in England ein erstes System entlang einer Bahnlinie konzipiert hatten.

Morse konstruierte einen Telegraphen, der mit einem einzigen Draht auskam. Vor allem aber entwickelte er zusammen mit seinem Mitarbeiter Alfred Vail ein System der Übermittlung von Buchstaben mit einem Code, geradezu einem Alphabet aus kurzen (dots, Punkten) und langen (dashes, Strichen) Signalen. Es gelang ihm mit einem großen Aufwand an Lobbyismus, den Kongress in Washington zur Bereitstellung von 30 000 Dollar für eine erste längere Telegraphenstrecke zu bewegen. Die Länge dieser ersten voll funktionstüchtigen Telegraphenlinie des Samuel Morse betrug 38 Meilen (rund 61 Kilometer) und verlief vom Capitol in Washington bis zu einer Eisenbahnstation in Baltimore.

Am 24. Mai 1844 betätigte Morse in seinem Büro, von zahlreichen Zeugen umgeben, die Taste seines bald als Morse-Apparat bezeichneten telegraph key, des „Telegraphenschlüssels“. Die 18-jährige Tochter des Vorsitzenden der Patentkommission, Annie Ellsworth, gab Morse ein kurzes Bibelzitat als Text für die erste Nachricht: „What hath God wrought“ („Was hat Gott gewirkt“). Er sandte die dots und die dashes, dann warteten alle Anwesenden gespannt. Es dauerte nicht einmal eine Minute, bis das bald weltweit zum Zeichen eintreffender Neuigkeiten bekannte Ticken des Geräts ertönte: Alfred Vail sandte die Botschaft aus seiner Stube in der Mount Clare Station in Baltimore (heute ein Eisenbahnmuseum) zurück.

1851 wird ein Kabel durch den Ärmelkanal verlegt

Es war der Beginn eines fast beispiellosen Siegeszuges der neuen Technologie, der auch Samuel Morse – ungeachtet zahlreicher Rechtsstreitigkeiten – letztlich zu einem reichen Mann machte. Der Morse-Telegraph und der Morse-Code wurden schon 1851 auf einer Konferenz in Wien als internationaler Standard festgelegt. Ab November jenes Jahres verlief ein erstes erfolgreich arbeitendes unterseeisches Kabel zwischen Dover und Calais.

Die treibende Kraft für die Installation eines über den Meeresboden des Nordatlantiks verlaufenden Telegraphenkabels war der in der Papierindustrie reich gewordene, 1819 in Stockbridge im Bundesstaat Massachusetts geborene Cyrus West Field. Im Januar 1854 begegnete Field in New York dem in Neufundland lebenden britischen Ingenieur Frederic Newton Gisborne, der von der Telegraphie geradezu besessen war. Gisborne versuchte, Field dazu zu bringen, in eine die kanadische Insel mit dem Festland verbindende Telegraphenlinie zu investieren, die wiederum dann an ein bis New York City reichendes Netz angeschlossen werden konnte.

Gisbornes Argument lautete: Ein aus Europa kommendes Schiff würde zunächst in Neufundland anlegen, und wichtige Nachrichten könnten von dort gekabelt werden, was eine Zeitersparnis von mehreren Tagen gegenüber einer herkömmlichen Entladung von Depeschen nach Anlegen in Boston oder New York City bedeutete. Field blickte auf die Karten und sah, dass es von den äußersten Landzipfeln Neufundlands bis Europa – genauer: bis Irland – nicht viel weiter war als von Neufundland nach New York. Warum also nicht den großen Schritt tun?

Das Unterseekabel zwischen Neufundland und Nova Scotia wurde im Juli 1856 eingeweiht, das Projekt hatte mehr als eine Million Dollar gekostet; ein erster Versuch war in einem Unwetter gescheitert. Die Verlegung über gut 100 Kilometer durch die Cabot Strait von Cape Ray nach Aspy Bay konnte schließlich in 15 Stunden vollzogen werden. Für den transatlantischen Telegraphen würde man in anderen zeitlichen Größenordnungen planen müssen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Field schon mehrere seiner insgesamt 56 Atlantiküberfahrten in Zusammenhang mit dem geplanten Kabel hinter sich. Es galt, britische Partner zu finden. Bei John Watkins Brett stieß er auf offene Ohren. Zusammen mit seinem Bruder Jacob hatte Brett die „Submarine Telegraph Company“ gegründet und das bereits erwähnte erste Telegraphenkabel durch den Ärmelkanal verlegt.

Zudem schienen wissenschaftliche Daten dem Projekt in die Karten zu spielen. Field kontaktierte Matthew Fontaine Maury, der den Meeresboden des Atlantiks vermessen hatte und später als „Vater der Ozeanographie“ bekannt wurde. Laut Maurys Daten gab es zwischen Irland und Neufundland einen erhöhten, flachen Abschnitt, den er als „Telegraphisches Plateau“ bezeichnete. Später zeigte sich: Ein weiträumiges Plateau existiert nicht, die Kartierung war fehlerhaft.

Das auf dem Meeresboden verlegte Kabel würde widerstandsfähiger sein müssen als die Telegraphendrähte, die in Europa meist entlang der Bahnstrecken gespannt wurden. Das elektrisch leitende Kabel musste vor dem Meerwasser geschützt werden. Vielversprechend wirkte das aus einer tropischen Pflanze gewonnene Guttapercha, eine Art natürlicher Kunststoff, der sich in heißem Wasser leicht formen lässt und nach dem Abkühlen fest wird, aber biegsam bleibt. Das Kabel bestand aus einem Kern von sieben mit Guttapercha ummantelten Kupferdrähten, die durch eine Außenhülle aus Eisendrähten und Hanf geschützt wurden.

Die Regierungen der beiden involvierten Nationen (Irland war damals Teil des britischen Königreichs) waren an dem Projekt interessiert; eine derartige Verbindung konnte nicht nur die damals boomende Presse, sondern die Diplomatie revolutionieren und einen Austausch von Nachrichten und Noten fast in Echtzeit ermöglichen.

Verspätete Nachricht vom Kriegsende kostet Leben

Gerade die USA und Großbritannien waren sich der potentiellen Tragik einer langsamen Kommunikation schmerzlich bewusst: Die Schlacht bei New Orleans am 8. Januar 1815, das blutigste Gefecht des oft vergessenen, im Jahr 1812 ausgebrochenen Kriegs zwischen beiden Nationen, fand zwei Wochen nach Abschluss des Friedensvertrags an Heiligabend 1814 in Gent statt. Da die Nachricht vom Kriegsende zu lange unterwegs war, starben die Soldaten in Louisiana also einen wahrhaft sinnlosen Tod.

Der erste Versuch, das Kabel zu legen, begann im August 1857. Ein amerikanisches und ein britisches Schiff, die „USS Niagara“ und die „HMS Agamemnon“, verließen zusammen Irland in Richtung Westen. Der Plan sah vor, dass zunächst ein Schiff seine Kabel legen und dann mitten auf dem Atlantik das Ende seines Kabels mit dem des zweiten Schiffes verbinden sollte, welches dann den Rest der Strecke absolvieren musste. Die Expedition war nach knapp 600 Kilometern vorbei: Das Kabel riss und ging verloren.

Die gleichen Schiffe unternahmen im Sommer 1858 die nächsten Versuche. Zunächst musste das Unternehmen wegen eines Sturms abgebrochen werden. Als sie wieder in See stachen, kam es in kurzer Zeit zu drei Kabelbrüchen. Field ließ sich nicht entmutigen, auch wenn einige seiner britischen Partner aufgeben wollten.

Im Juli 1858 startete der nächste Versuch. Beide Schiffe trafen sich mitten auf dem Atlantik und legten ihre Kupferstränge ab, während sie sich in entgegengesetzte Richtungen bewegten. Dabei gab es neue Herausforderungen: Die magnetische Anziehungskraft des Eisenschutzes um das Kabel beeinträchtigte die Kompassanzeigen und brachte die „Niagara“ vom Kurs ab, wodurch Kilometer von Kabel auf dem Umweg verschwendet wurden. Sie erreichte schließlich Neufundland mit einem funktionierenden Kabel, ebenso wie die an der irischen Küste eintreffende „Agamemnon“.

Die Königin antwortet per Telegramm

Cyrus Field sendete am 16. August 1858 die erste offizielle Nachricht nach zahlreichen Tests über das transatlantische Kabel: „Europa und Amerika sind durch den Telegraphen verbunden. Ehre sei Gott in der Höhe; auf Erden Friede und den Menschen ein Wohlgefallen.“ Mit einer Botschaft von Königin Viktoria an den amerikanischen Präsidenten James Buchanan waren die beiden angelsächsischen Staaten endgültig über eine innovative Kommunikationstechnologie verbunden: „Es ist ein Triumph, der weitaus glorreicher ist, weil er für die Menschheit weitaus nützlicher ist, als es jemals ein Eroberer auf dem Schlachtfeld war. Möge der Atlantik-Telegraph unter dem Segen des Himmels ein Band des ewigen Friedens und der Freundschaft zwischen den verwandten Nationen sein und ein Instrument, das von der göttlichen Vorsehung dazu bestimmt ist, Religion, Zivilisation, Freiheit und Recht in der ganzen Welt zu verbreiten.“

Nach vier Wochen und insgesamt 732 gesendeten Telegrammen erwies sich die Isolierung in einigen Streckenabschnitten als den mechanischen Belastungen nicht gewachsen: Die Verbindung brach ab. Vor allem über Field entluden sich Spott und Wut; einige Verschwörungstheoretiker bezweifelten, dass das Kabel je gelegt worden war. Die USA hatten bald andere Sorgen: Im April 1861 brach der Bürgerkrieg aus.

Field gab indes nicht auf. Er fand 1864 neue Investoren und stieß auf Ingenieure, die ein besseres und widerstandsfähigeres Kabel konzipierten. Dieses war jedoch doppelt so schwer wie das Vorgängermodell. Nun musste das größtmögliche damalige Transportmittel einspringen – die „Great Eastern“. Im Juli 1865 verließ der Gigant Valentia Island im Westen von Irland. Das Schiff hatte fast 2000 Kilometer zurückgelegt, als das Kabel brach und sein Ende scheinbar für immer in den Tiefen des Atlantiks versank.

Genau ein Jahr später unternahm die „Great Eastern“ den nächsten Versuch. Er wurde zu einem doppelten Triumph. Nicht nur war mit der Ankunft in Heart’s Content an jenem 27. Juli 1866 endlich eine stabile Telegraphenverbindung zwischen Amerika und Europa etabliert. Auf der Rückfahrt vermochte es die Besatzung, zusammen mit jener des Begleitschiffs „Medway“, mit an über den Meeresboden geschleiften Haken das im Vorjahr gerissene Kabel zu finden. Sein Ende wurde gehoben und mit dem Kabelmaterial, das sich noch reichlich an Bord der „Great Eastern“ befand, verbunden. Statt eines transatlantischen Telegraphenkabels hatte man nach vielen Enttäuschungen und Rückschlägen nun sogar zwei.

Die Ereignisse in den USA sind am Tag darauf Schlagzeilen in London

Von der dauerhaften Kommunikationsbrücke zwischen den Kontinenten profitierten beiderseits des Atlantiks Wirtschaft, Politik und vor allem Medien – die Zeitungen in Europa konnten jetzt von Ereignissen in Übersee wie zum Beispiel dem Attentat auf US-Präsident James Garfield 1881 schon am nächsten Tag berichten. Die Wall Street erfuhr beim Beginn des neuen Handelstages von Tendenzen der Londoner Börse desselben Tages. Die Märkte globalisierten sich, da Händler Echtzeitpreise erhielten, wodurch Unsicherheiten reduziert wurden und die Handelseffizienz gesteigert wurde.

Der Austausch zwischen Regierungen und überseeischen Gesandtschaften wurde vereinfacht – eine Schlacht wie die von New Orleans konnte sich nicht wiederholen.

Heute spannen sich mehr als 500 Kabel von rund 1,3 Millionen Kilometern Gesamtlänge über die Tiefen der Ozeane dieses Planeten. Das Kupfer von einst ist durch Glasfaser ersetzt worden; die digitale Welt wäre ohne die Kabel, über die fast 99 Prozent des Datentransfers ablaufen, unmöglich.

Sie alle stehen in der Tradition jenes ersten dicken Strangs, der so schwer war, dass 50 Männer benötigt wurden, um ihn an jenem Sommertag 1866 bei Heart’s Content an Land zu ziehen. Einer von ihnen war Cyrus West Field. Seine Vision wurde Wirklichkeit: Die Verbindung zwischen den USA und Europa ist ungeachtet aller politischen Stimmungsschwankungen nie mehr abgebrochen.

Autor: Dr. Dr. Ronald D. Gerste

ist Historiker und Mediziner. Er lebt als freier Autor in der Nähe von Washington.

Literatur

Ronald D. Gerste, Wie Technik Geschichte macht. Von Gutenberg bis zum Smartphone. Stuttgart 2025.

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