Ich bin die erste richtige Zahl. Das behaupten meine Vorgänger von sich zwar auch, aber schauen Sie doch selbst: Die Eins, die nur an sich selbst denkt und den Anspruch hat, alles in sich zu vereinen! Die zickige Zwei, die nicht weiß, was sie will und vollkommen damit beschäftigt ist, das explosive Gemisch in sich zu bändigen!
Ich dagegen: Ausgeglichen, aber nicht langweilig. Ein aus verschiedenen Teilen zusammengesetztes Kraftpaket, aber nicht explosiv. Eine richtige Mehrzahl, aber nicht zu groß. Kurz, ich bin die erste normale Zahl. Mit mir können Sie sich sehen lassen!
Der Philosoph Hegel hatte schon recht, als er die Entwicklung der Welt und des Denkens auf dem dialektischen Dreischritt These – Antithese – Synthese aufbaute. Ohne Synthese, dem krönenden Abschluss, bleiben die ersten Teile unvollkommen und unwirksam.
Wer auf drei zählen kann, der kann richtig zählen. Wer nur eins oder zwei sagen kann, der hängt noch bei sich oder seinem Gegenüber. Wer aber drei sagt, der schaut über den engsten Kreis hinaus, der sieht die Welt und weiß, wie es weitergeht, der schnuppert schon ein bisschen Unendlichkeit.
Dass ich eine Primzahl bin, davon rede ich gar nicht weiter – sogar die erste ungerade, und die einzige, die unmittelbar auf eine andere Primzahl folgt.
Also: Wo man auch hinschaut, man sieht die Wirkung der Dreiheit, die immer überzeugend ist. Ja, Sie haben richtig gehört: Ich bin die überzeugendste Zahl!
Das zeigt sich schon früh in der Geschichte der Menschheit: in der Steinzeit. Günter Grass erzählt in seinem Roman „Der Butt” von der Urmutter Aua, die – Kinder, alle mal herhören! – drei Brüste hatte. Grass schildert diese Zeit als eine ausgesprochen glückliche.
Komplizierter ist es mit der Dreiheit im Christentum. Die Dreieinigkeit ist zunächst einfach der Dreiertrick: Drei Wesenheiten wirken überzeugender als nur eine oder gar zwei! Theologisch wird es ziemlich knifflig, weil alle drei Komponenten, nämlich Vater, Sohn und heiliger Geist, ohne Zweifel göttlich sind, es aber nur einen Gott geben darf. Also: Aus drei mach eins, oder aus eins mach drei. Das bleibt kompliziert.
In der Sprache wird es ganz offensichtlich. Schon Mephisto wusste „Du musst es dreimal sagen!” Stellen Sie sich vor, ein Mensch wird gelobt, indem man sagt: „Er kann viel und er weiß viel”, dann ist das gut. Aber um wie viel überzeugender ist es, wenn man sagt: „Er kann viel, er weiß viel, und er macht viel.” Es ist nicht nur der Informationszuwachs, sondern die überzeugende Kraft der Dreiheit.
Ein besonderes Kapitel sind Abkürzungen. Sie sind heute fast immer dreibuchstabig: AEG, BVB, CDU, DRK, EPF, FKW, GBR, …
Ich weiß nicht, ob Sie Hip-Hop mögen. Egal. Einen Titel finde ich richtig gut. Er stammt von den Fantastischen Vier (sorry, drei wären mir lieber). Er heißt MfG und verwendet fast nur dreibuchstabige Abkürzungen. Das zeigt, dass unsere Welt voll davon ist, und macht den Dreiertrick (beziehungsweise den Dreiertick) offensichtlich. Der Anfang lautet: ARD, ZDF, C&A BRD, FFR und USA BSE, HIV und DRK GBR, GmbH – Ihr könnt mich mal THX, VHS und FSK RAF, LSD und FKK DVU, AKW und KKK RHP, usw, LmaA
Die Beispiele von der Steinzeit bis zum Hip-Hop beweisen klar eines: Wenn Sie Eindruck machen wollen, benutzen Sie die Drei, verwenden Sie mich! Ich bin die eindrucksvollste Zahl!





