von DIRK EIDEMÜLLER
Langsam, aber sicher wird es wärmer auf dem Planeten Erde. In den letzten Jahren hat sich nicht nur die globale Oberflächentemperatur klar messbar erhöht. Auch die Extremwetterereignisse nehmen zu. All dies sind erwartbare Konsequenzen des menschengemachten Klimawandels, den wir durch den Ausstoß von Treibhausgasen verursachen. Über diesen Zusammenhang kann es nach dem heutigen Stand der Wissenschaft keinen Zweifel mehr geben. (Wie gezeigt werden kann, dass der aktuelle Klimawandel tatsächlich vom Menschen verursacht wird, lesen Sie in Sabine Hossenfelders Stichproben).
Dennoch gibt es unter Klimaforschern eine gewisse Unzufriedenheit, dass sich viele Zusammenhänge nicht klarer – und damit für die Gesellschaft nachvollziehbarer – darstellen lassen.
Das hat mehrere Gründe: Erstens liegt es an der Komplexität der Vorgänge in der Atmosphäre, bei denen auf allen möglichen Raum- und Zeitskalen verschlungene Wechselwirkungen und Rückkopplungen auftreten. Und zweitens sind viele natürliche Prozesse noch nicht genau verstanden. Die Datenlage wird zwar insbesondere dank der modernen Satellitentechnik immer besser. Aber noch gibt es viele Verständnislücken. So lässt sich heute etwa immer noch nicht vorhersagen, wann es in einer feuchten, gesättigten Wolke anfängt zu regnen.
Wolkige Aussichten
„Die Probleme beim Verständnis der Atmosphäre kann man sich schon an einfachen Beispielen klarmachen“, sagt Axel Kleidon, Leiter der Forschungsgruppe Biosphärische Theorie und Modellierung am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena. Wenn es wärmer wird, verdunstet mehr Wasser. Dadurch entstehen Wolken, die das Sonnenlicht reflektieren und so wiederum für Abkühlung sorgen – allerdings nur tagsüber, denn nachts behindern sie die Abstrahlung von Bodenwärme in Richtung Weltall und sorgen so für höhere Temperaturen. Wie man schon an diesem einfachen Beispiel sieht, steckt der Teufel bei den Klimasimulationen in allen möglichen Details.
Die Klimaforscher arbeiten deshalb mit extrem aufwendigen Computersimulationen, bei denen die leistungsstärksten Supercomputer monatelange Berechnungen durchführen. Neben den Strahlungsprozessen versuchen die Modelle dabei auch die Stoffströme – also Wind und Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf und Wolken – in horizontaler und vertikaler Richtung zu simulieren. Das ist nicht in allen Details möglich, und die atmosphärischen Prozesse sind auch nicht in allen Details genau verstanden. Deshalb arbeitet man vor allem bei den vertikalen Luftbewegungen mit semi-empirischen Annahmen. Damit diese Simulationen sinnvolle Ergebnisse ausspucken, müssen die Wissenschaftler darüber hinaus aber auch zahlreiche empirische Daten aus allen möglichen Quellen mit in die Berechnung einfließen lassen: von Satellitendaten über historische Messwerte bis hin zu Eisbohrkernen und archäologischen Klimadaten.





