von THOMAS BÜHRKE
Am 9. März 1979 machte die Astronomin Linda Morabito vom kalifornischen Jet Propulsion Laboratory der NASA eine aufsehenerregende Entdeckung: Auf einer der Aufnahmen, welche die Raumsonde Voyager 1 vom Jupitermond Io zur Erde gefunkt hatte, bemerkte sie eine schirmförmige Wolke. Sie stammte von einem Vulkan. Nie zuvor hatte man bis dahin außerhalb der Erde ein solches Phänomen gesehen. Die vier Monate später eintreffende Schwestersonde Voyager 2 bestätigte den Vulkanismus und konnte sogar Veränderungen feststellen, die sich zwischen den beiden Vorbeiflügen ereignet hatten.
Die Entdeckung der Vulkane sorgte für enorme Aufmerksamkeit. Tatsächlich hatten US-amerikanische Planetologen jedoch kurz zuvor dieses Phänomen vorhergesagt. Der Grund: Der Mond erfährt auf seiner elliptischen Umlaufbahn um den Riesenplaneten Jupiter enorme Gezeitenkräfte, die vieltausendmal stärker sind als die der Erde auf den Erdmond. Zusätzlich zerren auch die Nachbarmonde Europa und Ganymed mit ihrer Gravitation an Io. Dies hat zur Folge, dass ein bis zu 300 Meter hoher Gezeitenberg über Ios Oberfläche wandert. Zum Vergleich: Die Erdkruste bewegt sich lediglich um 20 bis 30 Zentimeter aufgrund des lunaren Einflusses. Der von der Erde erzeugte Tidenhub auf dem Mond lässt sich nur schwer bestimmen; er liegt im Bereich von ungefähr 10 bis 50 Zentimetern.
Die gewaltigen Gezeitenkräfte verformen aber nicht nur Ios Oberfläche, sondern kneten das Innere des Mondes förmlich durch und erhitzen es. Sie sind die Quelle des Vulkanismus. Mit über 400 aktiven Vulkanen ist Io das geologisch aktivste Objekt im Sonnensystem. Die Schlote stoßen mit Geschwindigkeiten bis zu 3.500 Kilometer pro Stunde bis zu 500 Kilometer hohe Schwefel- und Schwefeldioxidwolken aus.
Gewaltiger Ausbruch
Mit der im Oktober 1989 gestarteten Raumsonde Galileo konnte Io ab Dezember 1995 über Jahre hinweg detailliert untersucht werden. Ab 2002 gab es nur spärliche Beobachtungsmöglichkeiten. Das änderte sich erst 2016, als die NASA-Raumsonde Juno in eine polare Umlaufbahn um Jupiter eintrat. Seitdem gelangte sie immer wieder in die Nähe von Io, um den Vulkanismus detaillierter zu untersuchen. Nun bildet sie erstmals auch die Polregionen des Mondes ab.





