Der Saturnmond Enceladus hatte vor Milliarden von Jahren hohes Fieber, vermuten amerikanische Astronomen: Damals heizte der radioaktive Zerfall von Aluminium und Eisen den Himmelskörper stark auf und formte aus dem Klumpen aus Eis und Gestein den Mond mit seinem heißen Gesteinskern und einer mit Eis bedeckten Oberfläche. Dieser Umbau ermöglichte weitere radioaktive Zerfallsprozesse, die den Himmelskörper auch heute noch mit Wärme versorgen. So erklären die Forscher um Julie Castillo die nach wie vor rege Aktivität auf der Oberfläche des Mondes, die immer wieder durch Ausbrüche von Geysiren erschüttert wird, die Eis und Wasserdampf ins Weltall schleudern.
In ihrem Modell der Entstehungsgeschichte des Mondes gehen die Forscher von einer nach astronomischen Maßstäben sehr raschen Entwicklung aus: Nur etwa sieben Millionen Jahre, schätzen Julie Castillo und ihre Kollegen, brannte in Enceladus der nukleare Ofen, dann waren das Aluminium und das Eisen zu stabileren Isotopen zerfallen. Doch der radioaktive Zerfall muss enorme Hitzemengen freigesetzt haben, was die Struktur des Himmelskörpers völlig umkrempelte und zur Entstehung des von einem Mantel aus Eis umgebenen heißen Kerns führte.
Zurück blieben unter diesem Eismantel jedoch auch Materialien, deren radioaktiver Zerfall bis heute anhält und die dem Himmelskörper weiterhin Wärme zuführen, vermuten die Wissenschaftler. Für die Existenz einer nach wie vor funktionierenden radioaktiven Wärmequelle spricht, dass bei den Ausbrüchen der Geysire auch Stickstoff nachgewiesen wurde. Dieses Gas entsteht bei der chemischen Umsetzung von Ammoniak, für die Temperaturen von mehreren hundert Grad Celsius nötig sind. Sicher ist hingegen, dass Enceladus außerdem aus Gezeitenkräften Wärme bezieht. Diese Kräfte kneten den Himmelskörper in seinem Umlauf um den Saturn durch, was zu innerer Reibung und damit zur Entstehung von Wärme führt.
Die Kombination der beiden aktiven Wärmequellen mit der Milliarden von Jahren zurückliegenden, heißen Startphase könnte die heute beobachtete Aktivität auf dem Mond erklären, nehmen die Forscher an. Während eines Vorbeiflugs der Cassini-Sonde in einem Jahr wollen die Forscher das von den Geysiren herausgeschleuderte Material näher untersuchen, um damit mehr über die Vorgänge im Inneren des Mondes zu erfahren.
Mitteilung des Jet Propulsion Laboratory, Pasadena ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald