von ALINA WOLF
Wer New Space hört, denkt wahrscheinlich sofort an die USA oder vielleicht China. Kein Wunder, denn amerikanische Unternehmen wie Elon Musks SpaceX oder Jeff Bezos Blue Origin machen regelmäßig Schlagzeilen. Die europäischen Start-ups bekommen dagegen weniger Aufmerksamkeit – auch, weil sie vielfach noch in Finanzierungsrunden feststecken. Robert Ihnatisin, Cheftechnologe des deutsch-polnischen Start-ups Orbital Matter erklärt: „Wenn wir privaten Investoren erzählen, dass sie erst ein paar Millionen Euro in Forschung und Entwicklung stecken müssen, bevor wir etwas verkaufen können, sind sie nicht gerade begeistert. Im Vergleich zu den USA gibt es hier eine viel geringere Risikobereitschaft.“ Bislang sind es deshalb hauptsächlich staatliche Organisationen, die Fördergelder für technologische Entwicklung bereitstellen.
Doch gegenüber den USA sind die öffentlichen Mittel für die Raumfahrt in Europa geringer: Die NASA hatte 2024 ein Budget von rund 25 Milliarden Dollar, die ESA nur rund 7,8 Milliarden. Öffentliche Gelder bleiben aber auch in der zunehmend privatisierten Raumfahrt wichtig. „Selbst New-Space-Vorreiter SpaceX konnte nur mit großen Aufträgen der NASA so erfolgreich werden“, sagt Luisa Buinhas, Mitgründerin des deutschen Start-ups Vyoma. „Wir brauchen staatliche Organisationen als Ankerkunden. Wenn private Investoren wissen, dass es eine stabile Auftragslage aus öffentlicher Hand gibt, sind sie eher bereit, in der Entwicklungsphase zu investieren.“
Obwohl Europa weniger Geld für Raumfahrtaktivitäten bereitstellt als die USA, lässt sich ein klarer Aufwärtstrend erkennen. Die 7,8 Milliarden Euro aus 2024 sind das bis dahin höchste ESA-Jahresbudget und liegen 24 Prozent über dem Durchschnitt seit 2015. Die Branche wächst, und auch in Deutschland heben immer mehr Raumfahrtunternehmen ab – wortwörtlich.
Abheben mit Kerzenwachs
Knapp 63 Jahre nachdem der erste Amerikaner im All, Alan Shepard, sein Team mit dem berühmten Zitat „Light this candle!“ aufforderte, die Rakete endlich zu starten, macht ein deutsches Start-up aus Baden-Württemberg Ernst: Am 3. Mai 2024 startet HyImpulse Technologies seine Suborbitalrakete „SR75“ mit einem Hybridantrieb aus nichts anderem als flüssigem Sauerstoff und Paraffin – also Kerzenwachs. Damit war HyImpulse das erste von drei deutschen Raketen-Start-ups mit einem erfolgreichen Testflug. Die Rakete stieg vom Testgelände Koonibba in Australien bis 60 Kilometer in die Stratosphäre auf. Das Weltall hat sie damit nicht erreicht – das soll erst die nächste, größere Rakete Small Launcher One. 2027 wird sie voraussichtlich zum ersten Mal ins All starten.
Im März 2025 folgte das zweite deutsche Raketen-Start-up Isar Aerospace mit einem Launch. Die Orbitalrakete „Spectrum“ des Unternehmens aus Ottobrunn bei München startete vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya und wäre die erste deutsche New-Space-Rakete im All gewesen. Doch sie stürzte nach 30 Sekunden Flug ab und explodierte im Meer, ohne die 100-Kilometer-Grenze zum Weltraum zu überschreiten. Das Unternehmen spricht dennoch von einem erfolgreichen Test.





