Am 9. Juli 1962 demonstrierte der US-Atomwaffentest „Starfish Prime“, wie verheerend sich eine Atomexplosion im Erdorbit auswirkt: Der in 400 Kilometer Höhe detonierende 1,4 Megatonnen-Atomsprengkopf erzeugte einen elektromagnetischen Puls, der noch im knapp 1500 Kilometer entfernten Hawaii die Lichter ausgehen ließ. Im Orbit zerstörte die Atomexplosion mehrere frühe Satelliten und setzte eine enorme Menge extrem energiereicher Teilchen frei.
Anstoß für den Weltraumvertrag
„Bei einer solchen Kernwaffenexplosion im Weltraum wird die gesamte Bombe ionisiert und fast jedes Elektron seines Materials wird freigesetzt“, erklärt der Physiker Areg Danagoulian vom Massachusetts Institute of Technology (MIT). Beim Starfish-Test wurden geschätzte 1029 dieser energiereichen Elektronen in den inneren Van-Allen-Gürtel geschleudert – einen in rund 1000 Kilometer Höhe beginnenden Ring aus schnellen, vom Erdmagnetfeld gefangenen Teilchen.

Diese Aufnahme vom 9. Juli 1962 zeigt den Lichtblitz des orbitalen Atomtests „Starfish Prime“ von Hawaii aus gesehen. — © US Government
„Im Van-Allen-Gürtel kollidieren diese Elektronen mit allem, was ihnen entgegenkommt“, erklärt Danagoulian. „Sie ionisieren jedes Material und verursachen schwere Strahlenschäden.“ Dadurch wird Raumfahrt nahezu unmöglich, auch Satelliten würden nicht lange halten. Nachdem die schwerwiegenden globalen Folgen einer orbitalen Atomexplosion klar wurden, einigten sich die Supermächte 1967 auf den Weltraumvertrag (Outer Space Treaty). Dieser von 118 Ländern unterzeichnete Vertrag erklärt den Weltraum zum Allgemeingut der Menschheit und verbietet die Stationierung von Kernwaffen im All.
Hat der russische Satellit Kosmos 2553 eine Kernwaffe an Bord?
Doch in jüngster Zeit wächst der Verdacht, dass einige Staaten gegen den Weltraumvertrag verstoßen könnten. Im Februar 2022 startete Russland einen Satelliten in den Erdorbit, der angeblich Teil ihres Radar-Überwachungssystems sein sollte. Doch Flughöhe – rund 2000 Kilometer - und Flugbahn dieses Kosmos-2553-Satelliten waren dafür sehr ungewöhnlich. „Dieser Orbit führt durch die harscheste Umgebung im gesamten Erdumfeld“, erklärt Danagoulian. „Niemand platziert einen Satelliten freiwillig in dieser hochradioaktiven Umgebung.“





