Vor 75 Millionen Jahren lebte im Süden des heutigen US-Bundesstaates Utah eine wahrhaft monströse Echse: Ausgestattet mit dreihundert Zähnen und einem kräftigen Kiefer, war der Entenschnabeldinosaurier Gryposaurus monumentensis in der Lage, auch die härtesten Fasern jeder Pflanze zu zermalmen. Fossilien der bislang unbekannten Art fanden Forscher um Terry Gates und Scott Sampson in den Schichten des Grand Staircase-Escalante National Monument. Sie beschreiben die neue Art im “Zoological Journal” der Linné-Gesellschaft.
Von der Gattung der Gryposaurier (“Hakennasen-Echsen”) waren bislang drei Arten bekannt, die alle während der späten Kreidezeit in Nordamerika lebten. Gryposaurus monumentensis sei bei weitem größer als seine im Schnitt neun Meter langen Cousins, schreiben Gates und Sampson nun. “Er war ein Monster, der Arnold Schwarzenegger unter den Entenschnabel-Dinosauriern”, sagt Terry Gates. Schädel und Skelett waren sehr robust. Außer den dreihundert sichtbaren Zähnen besaß der Nimmersatt noch fünfhundert Ersatz-Zähne im Kiefer, die bei Bedarf nachwuchsen.
“Wir wissen zwar nichts über seine Ernährungsgewohnheiten”, sagt Gates, “aber mit diesem Gebiss konnte er praktisch jede Pflanze zerkleinern.” Typische Gryposaurier bewegten sich in der Regel auf den Hinterbeinen. Sie gehörten zu einer Unterordnung der Entenschnabel-Dinosaurier, die keinen Kamm auf der Nase trugen. Gates erkannte anhand des in Utah gefundenen Nasenknochens sofort, dass es sich um einen Gryposaurier handeln musste.
Die karge Gesteinsformation des Grand Staircase-Escalante-Naturdenkmals sind ein einzigartiges Fenster in die Welt der Kreidezeit: Bereits ein gutes Dutzend vorher unbekannter Dinosaurier-Arten wurden in den letzten Jahren in der kargen Landschaft gefunden. Da jede Grabung einen Eingriff in die einzigartige Landschaft aus engen Schluchten, breiten Hochebenen und stufenförmigen, unterschiedlich gefärbten Klippen darstellt, dürfen Paläontologen allerdings nur mit besonderer Genehmigung nach Fossilien suchen.
Terry Gates und Scott Sampson (Utah Museum of Natural History): Zoological Journal of the Linnean Society Bd. 151, Nr. 2, 2. Oktober 2007 Ute Kehse