von RÜDIGER VAAS
Auch Astronomen – und angesichts des funkelnden Sternenhimmels vielleicht ganz besonders sie – haben einen Sinn für Poesie. „Die Stellung des Menschen im Weltall. „In den alten Zeiten, als das Wünschen noch half“, wie es im Märchen heißt, glaubte man, das Weltall sei ein geschlossenes System und die Erde der Mittelpunkt des Universums. Heutzutage wissen wir, dass unsere Erde im Weltall wie ein Sandkorn im Meere ist, ja weniger als das: Die Sandkörner lassen sich zählen – wenn einer die Zeit dazu hat –, aber für die Zahl der Himmelskörper können wir keine Grenze angeben, uns nicht einmal eine solche denken.“ Dies schrieb der schwedisch-dänische Astronom Svante Elis Strömgren in der Einleitung seiner populärwissenschaftlichen „Astronomischen Miniaturen“. Sie erschienen 1922. Damals ahnten Kosmologen schon, dass die Milchstraße nur eine Galaxie unter Myriaden ist; „Inseluniversen“ nannte man sie. Strömgren erwähnte das en passant, hielt sich aus den großen Debatten um die Struktur des Universums jedoch heraus. Kurz nach seiner Publikation waren die Kontroversen aber entschieden – und die kosmischen Sandkörner ins Unermessliche vermehrt.





