Dieser Jumbo-Jet unter den Flugsauriern repräsentierte aber nur eine Art von vielen teils sehr großen Kurzschwanzflugsauriern, die sich im Laufe von Jura- und Kreidezeit entwickelt hatten. Sie waren wohl ähnlich gewandte Flugkünstler wie die Vögel, ihr spezieller Körperbau macht aber deutlich, dass sie nicht deren Vorfahren waren. Die Kurzschwanzflugsauriern verschwanden „kinderlos”: Das große Massensterben vor 65 Millionen Jahren raffte alle Vertreter dahin.
Der „Verborgene Ur-Drache”
Die Forscher um Brian Andres von der University of South Florida in Tampa erhellen nun, wie und wann die Erfolgskarriere der Kurzschwanzflugsaurier begann. Ihre Ergebnisse beruhen auf der Untersuchung eines Fossils, das von einem Fundort im Norden Chinas stammt. Das Tier lag in einer Gesteinsschicht unter einem Aschebelag, dessen Datierung ein Alter von über 161 Millionen Jahren ergab. Die Forscher gaben dem Wesen den Namen Kryptodrakon progenitor, was soviel bedeutet wie „verborgener Ur-Drache”. Die Untersuchungen der Forscher zeigten, dass es sich um einen urtümlichen Vertreter der Kurzschwanzflugsaurier gehandelt hat. Er ist damit mindestens fünf Millionen Jahre älter als der bisher älteste bekannte Vertreter dieser Flugechsen.
Kryptodrakon besaß den Analysen zufolge bereits die typischen Merkmale seiner Familie: Einen langen Hals und Kopf, verlängerte Mittelhandknochen und einen stark verkürzten Schwanz, der seine Bedeutung für den Flug offenbar eingebüßt hatte. Im Vergleich zu den späteren Vertretern war Kryptodrakon noch recht klein: Er besaß aber immerhin schon eine Spannweite von rund 1,5 Metern. Die Eigenschaften seiner Flügel lassen den Forschern zufolge darauf schließen, dass Kryptodrakon im Inland und nicht an einer Meeresküste lebte. Denn im Gegensatz zu marinen Arten hatte er vergleichsweise breite Flügel, die sich gut zum Fliegen bei typischen Wetterbedingungen über Land eignen.
Es sei ein extremer Glücksfall, dass Überreste eines so feingliedrigen Wesen erhalten geblieben sind, betonen die Forscher. Am Fundort gab es einst offenbar eine Art Treibsand, in dem Tiere schnell versanken und so erstaunlich gut erhalten blieben. „Für uns Paleontologen füllt Kryptodrakon progenitor nun eine wichtige Lücke im Verständnis der Entwicklungsgeschichte der Flugsaurier”, resümiert Brian Andres.





