Ein spezielles Instrument des Weltraumteleskops Swift entdeckte im Juni dieses Jahres einen Ausbruch von Gamma- und Röntgenstrahlung in der Nähe des galaktischen Zentrums. Das Team um Markwardt gab dem Objekt den Namen SWIFT J1756.9-2508 und stellte fest, dass es sich um einen so genannten Millisekunden-Pulsar handelt: einen Neutronenstern, der sich mehrere hundert Mal pro Sekunde um die eigene Achse dreht und dadurch ein pulsierendes elektromagnetisches Signal abstrahlt. Schnell wurde außerdem klar, dass der Pulsar einen Begleiter besitzt.
Wegen des geringen Abstands saugt der Pulsar vermutlich ständig Gas von seinem Begleiter auf, das sich in einer Scheibe um den Neutronenstern sammelt. Nach einer gewissen Zeit wird diese Gasscheibe allerdings instabil, wodurch es zu einem Ausbruch wie dem im Juni beobachteten Ereignis kommt, vermuten die Forscher. Gewöhnlich kann man das System von der Erde aus nicht sehen, weil es zu lichtschwach und zu weit entfernt ist. Der Ausbruch endete nach 13 Tagen.
Die Forscher vermuten, dass das seltsame Paar vor einigen Milliarden Jahren noch aus einem gewöhnlichen, sonnenähnlichen Stern und einem schwereren Stern bestand. Der schwere Stern explodierte als Supernova, wobei der Pulsar entstand. Später erreichte auch der andere Stern das Ende seiner Lebensspanne und blähte sich zum roten Riesen auf ? und zwar so weit, dass seine Atmosphäre den Pulsar umschloss.
Dadurch wurde die Rotation der beiden Sterne umeinander abgebremst und sie kamen sich immer näher. Heute sind sie so eng miteinander verbunden, dass die Schwerkraft des Pulsars den Begleiter stark verformt ? er hat inzwischen eine tränenförmige Gestalt angenommen. Nach Milliarden von Jahren in enger Umklammerung ist von dem ehemaligen weißen Zwerg nicht viel übrig geblieben. Wie lange er noch überleben wird, ist unklar.





