Für das menschliche Auge sieht der Mond grau aus ? wenn auch in unterschiedlichen Schattierungen. Mit den Augen der Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter, die sowohl sichtbares als auch ultraviolettes Licht wahrnehmen können, werden ganz neue Details sichtbar, berichtete Mark Robinson und Brett Denevi am Freitag auf der European Planetary Science Conference in Nantes: ?Die Maria erscheinen an manchen Stellen rot und an anderen blau?, sagt Robinson. ?Diese feinen Farbunterschiede erzählen uns etwas darüber, welche Mineralien auf der Mondoberfläche vorkommen und wie alt das Material ist.?
Die Forscher nutzten ihre Daten zum Beispiel dazu, um eine Karte der Verteilung des Minerals Ilmenit herzustellen. Der Hauptbestandteil von Ilmenit ist Titan, ein wertvolles Metall. Dazu enthält Ilmenit aber auch Eisen und Sauerstoff ? beides Stoffe, die zukünftige Astronauten gut gebrauchen könnten. Zudem hat sich herausgestellt, dass Ilmenit Teilchen aus dem Sonnenwind auffängt, darunter Gase wie Wasserstoff und Helium. Auch diese Gase wären bei der zukünftigen Besiedlung des Mondes hilfreich. Die Forscher stellten fest, dass Ilmenit an einigen Stellen auf der Mondoberfläche so häufig vorkommt, dass Titan einen Anteil von zehn Prozent erreicht. Titanerze auf der Erde enthalten höchstens ein Prozent des Metalls.
?Unsere neue Karte ist ein wichtiges Werkzeug dafür, die künftige Erforschung des Mondes zu planen?, sagte Denevi. Warum das Mondgestein so reich an Titan ist, wissen die Forscher nicht. Wahrscheinlich war im Innern des Mondes relativ wenig Sauerstoff vorhanden, als sich das Gestein bildete. ?Geochemiker können aus diesen Daten Schlüsse über die Entwicklung des Mondes ziehen?, sagt Robinson.
Die Forscher stellten fest, dass UV-Licht das Alter verschiedener Strukturen auf dem Mond besonders deutlich enthüllt. Durch das Bombardement mit schnellen Teilchen und Mikrometeoriten altert das Mondgestein im Laufe der Zeit: Das Gestein wird pulverisiert und auch chemisch verändert. Junge Krater erscheinen auf Bildern zum Beispiel heller und eher bläulich, ältere Krater haben einen rötlichen Touch. Nach etwa 500 Millionen Jahren ist der Prozess der Weltraumverwitterung abgeschlossen.
?Wir haben festgestellt, dass die Auswirkungen der Verwitterung im UV-Licht viel eher zu sehen sind als in sichtbarem oder infrarotem Licht?, sagt Robinson. Selbst Krater, die bislang für relativ jung gehalten wurden, erschienen auf den UV-Aufnahmen bereits relativ gereift. Nur wenige, kleine Krater waren so frisch, dass sie auch im UV-Licht frisch erschienen.
Mark Robinson (Arizona State University) Brett Denevi (Johns Hopkins University): EPSC Abstracts, Bd. 6, EPSC-DPS2011-1238, 2011 wissenschaft.de – Ute Kehse