Während die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs bei Mädchen nach wie vor umstritten ist, ging der diesjährige Nobelpreis für Physiologie oder Medizin zur Hälfte an den Mann, der in den Achtzigerjahren bewiesen hat, dass Papilloma-Viren Gebärmutterhalskrebs auslösen können: Harald zur Hausen. Inzwischen wurde aufgrund der Erkenntnisse zur Hausens ein Impfstoff gegen die Krankheit entwickelt (bild der wissenschaft berichtete mehrfach darü-ber: 12/2006, „Impfen schützt vor Krebs” , 8/2007, „Nachgefragt” und 6/2008 „Krebs-Impfung: Hoffnung oder Horror?”). Der langjährige Leiter des Heidelberger Krebsforschungszentrums teilt sich den Preis mit den Franzosen Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier. Die beiden Wissenschaftler wurden für ihre Entdeckung des Aids-Erregers HIV ausgezeichnet. Überaschender weise hat das Komitee ihren Kollegen Jean-Claude Chermann und den US-Forscher Robert Gallo ignoriert, obwohl sie an der Erforschung des Virus maßgeblich beteiligt waren.
Den Nobelpreis für Physik erhielt zur Hälfte der Amerikaner Yoichiro Nambu und zu je einem Viertel die Japaner Makoto Kobayashi und Toshihide Maskawa. Die Wissenschaftler wurden für ihre Arbeiten auf dem Gebiet der subatomaren Physik geehrt – speziell für die Entdeckung der sogenannten Spontanen Symmetriebrechung und die Erklärung von deren Ursprung. Auch hier berücksichtigte die Jury einen Wissenschaftler nicht: Nicola Cabibbo, der nach Ansicht seiner italienischen Kollegen erst die Grundlagen für die Forschungen Kobayashis und Maskawas geschaffen hat. Eine Spontane Symmetriebrechung soll vor knapp 14 Milliarden Jahren zur Entstehung des Alls geführt haben, da sie dafür sorgte, dass es mehr Materie als Antimaterie gab.
Den Nobelpreis für Chemie erhielten zu gleichen Teilen die Amerikaner Martin Chalfie und Roger Y. Tsien und der Japaner Osamu Shimomura. Shimomura hatte 1961 aus der Qualle Aequorea victoria das grün fluoreszierende Protein (GFP) gewonnen, seine US-Kollegen hatten Anwendungen dafür entwickelt. Mit GFP können Vorgänge in lebenden Zellen beobachtet werden, indem man das leuchtende Eiweiß gentechnisch an andere Proteine andocken lässt.





