von THORSTEN DAMBECK
Der bislang letzte bemannte Mondflug brachte ein Novum: Mit Harrison „Jack“ Schmitt war erstmals ein Wissenschaftler an Bord. Nachdem die Landefähre von Apollo 17 im Dezember 1972 am Rand des Mare Serenitatis aufgesetzt hatte, sammelte Schmitt zusammen mit seinem Kollegen Eugene Cernan 111 Kilogramm Mondgestein ein. Darunter waren auch Proben, die die Astronauten von großen Felsbrocken abgeschlagen und detailliert fotografiert hatten. Es dauerte Jahrzehnte, bis sich erwies, wie wichtig diese Genauigkeit für die Erforschung des seit Langem verschwundenen lunaren Magnetfelds ist.
Ein uralter Dynamo
Magnetfelder entstehen in einem Himmelskörper, wenn dort ein Dynamoprozess in Gang kommt. Die Zutaten dafür sind überschaubar: Nötig ist erstens eine große elektrisch leitende Zone im Inneren des Planeten oder Mondes, etwa ein flüssiger Metallkern. Und zweitens sind genügend schnelle Strömungen des leitenden Mediums erforderlich. Der Erdkern aus Eisen und Nickel erfüllt diese Bedingungen. Er ist zweigeteilt, sein Radius nimmt insgesamt stattliche 55 Prozent des Erdradius ein. Sein äußerer Bereich ist flüssig und treibt das Erdmagnetfeld an.
Der Erdmond besitzt heute kein globales Magnetfeld – genau wie Venus und Mars. Ein herkömmlicher Kompass wäre dort zur Navigation nutzlos. Doch magnetische Messungen von Mondgestein aus der Apollo-Ära belegen nach Auffassung der meisten Forscher, dass auch der Erdtrabant lange ein solches Feld erzeugte. Aber anders als in der Erde steckt im Mond nur ein kleiner metallischer Kern – mit nur 19 Prozent des Mondradius.
Kürzlich konnten Forscher um Benjamin Weiss vom Massachusetts Institut of Technology den Zeitpunkt eingrenzen, als der Mond-Dynamo seine Tätigkeit einstellte. Das Team untersuchte zwei Proben aus dem Apollo-Fundus, die sogenannten Brekzien 15465 und 15015. Als Brekzie bezeichnen Geologen einen Gesteinstyp, der aus kantigen Gesteinstrümmern besteht, eingebettet in eine feinkörnige Grundmasse. Die beiden lunaren Exemplare sind jeweils bei Meteoriteneinschlägen entstanden und dabei teilweise aufgeschmolzen worden. Solche Proben können Informationen über das urtümliche Magnetfeld des Mondes enthalten, genauer: über den Zeitpunkt, als sich das abkühlende Gestein verfestigte (bdw 12/2021, „Als das Erdmagnetfeld verschwand“).
Die Analyse ergab, dass nur ein sehr schwaches Mondmagnetfeld den Erstarrungsprozess beeinflusst hatte. Es betrug weniger als 0,1 Mikrotesla. Zum Vergleich: Auf der Erdoberfläche misst man heute zwischen 25 und 65 Mikrotesla. Laut Weiss ist ein Magnetfeld von 0,1 Mikrotesla so gering, dass der lunare Dynamoprozess damals wohl schon beendet war. Die genaue Datierung beider Proben anhand ihrer Argon-Isotope ergab zudem, dass sie Zeugen der geologisch jüngeren Mondgeschichte sind: Sie geben über die Zeit vor 0,4 und vor 0,9 Milliarden Jahren Auskunft.





