von RÜDIGER VAAS
Das Problem sind nicht die 384.400 Kilometer bis zum Erdbegleiter, sondern die organisatorischen, technischen und finanziellen Hindernisse, die dem Artemis-Programm hauptsächlich im Weg stehen – oder diesen jedenfalls erschweren und verlängern.
Der Hauptunterschied zwischen dem legendären Apollo- und dem neuen Artemis-Programm ist die Kooperation der NASA mit kommerziellen Partnern und mit anderen Ländern. Unter diesen sind vor allem Kanada, die Mitglieder der Europäischen Raumfahrtagentur ESA sowie Japan. Das betrifft sowohl die Technologie und mithin das Budget als auch die Astronauten. Die USA haben zu diesem Zweck Vereinbarungen aufgestellt: die Artemis Accords. Die Länder verpflichten sich „zu einer sicheren und nachhaltigen Erforschung des Weltraums mit konkreten Ergebnissen“, wie es die NASA formuliert, und zu einer „Reihe von Empfehlungen zur Nichteinmischung, Zusammenarbeit und Freigabe wissenschaftlicher Daten“. Seit 2020 haben sie 51 Länder unterzeichnet, zuletzt im Dezember 2024 Panama, Österreich und Thailand. Deutschland ist im September 2023 als 29. Mitglied beigetreten.
Die Zusammenarbeit mit privaten Raumfahrtfirmen ist für das Artemis-Programm unerlässlich. So hat die NASA nicht nur Forschungsmissionen mit unbemannten Sonden ausgelagert sowie die Entwicklung von Raumanzügen und Mondautos, sondern auch die Mondlandefähren selbst (Human Landing Systems, HLS) und die zugehörigen Raketen werden Privatfirmen liefern und betreiben. Hier ist in erster Linie Elon Musks 2001 gegründete Firma SpaceX gefragt. Sie transportiert seit 2010 mit ihren kostengünstigen, teils recyclebaren Falcon-Raketen Güter ins All, wobei die NASA der wichtigste Kunde ist. Mit über 400 Starts der Falcon 9 – sowie elf der Falcon Heavy seit 2018 – ist dies eine beispiellose Erfolgsserie in der Geschichte der Raumfahrt. Mit den wiederverwendbaren Crew-Dragon-Raumschiffen bringt SpaceX seit 2020 auch Menschen in Erdumlaufbahnen und zur Internationalen Raumstation.
Mit dem noch in der Entwicklung befindlichen Starship und dem ebenfalls noch nicht fertigen HLS als Nutzlast soll SpaceX bei Artemis 3 die Astronauten vom Raumschiff Orion auf den Mond und zurück zu Orion fliegen. Das bedeutet eine wesentlich komplexere Missionsarchitektur als im Apollo-Programm. Dort brachte eine einzige Rakete, die Saturn V, sowohl das Raumschiff als auch die Landefähre ins All. Für Artemis 3 sind hingegen neben der NASA-Rakete SLS und dem Starship noch über ein Dutzend weitere Falcon-Starts nötig, vor allem für den Treibstofftransport zum Auftanken des Starship. Das birgt Risiken, verspricht aber, die Kosten zu senken. Künftig sollen zudem andere Firmen bei den Mondlandungen mitwirken, etwa Blue Origin des Amazon-Chefs Jeff Bezos und Dynetics. Doch alles verzögert sich und wirkt teilweise unausgegoren.





