von THORSTEN DAMBECK
Lange mussten die Astronomen auf diese Sternexplosion warten – etwas Ähnliches war zuletzt zu Beginn des 17. Jahrhunderts beobachtet worden. Am 23. Februar 1987 leuchtete im Sternbild Schwertfisch am Südhimmel ein Stern auf, wo zuvor mit bloßem Auge keiner zu sehen war: eine Supernova. Zwar haben die Forscher Tausende Sternexplosionen in fernen Galaxien mit ihren Teleskopen untersucht. Eine nahe und deshalb helle Supernova in unserer Galaxis oder in deren Nachbarschaft ist dagegen äußerst selten.
Die Fachwelt war begeistert. Die Supernova ereignete sich in der Großen Magellan’schen Wolke, rund 163.000 Lichtjahre von uns entfernt. SN 1987A, so der Name, war für mehrere Monate sichtbar und hatte im Maximum die Leuchtkraft von 100 Millionen Sonnen. Die Observatorien auf der Südhalbkugel nahmen die leuchtende Explosionswolke ins Visier, allen voran das Observatorium der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile.
„Die Supernova war zu hell für die damaligen 4-Meter-Teleskope. Einige von ihnen mussten mit halb geschlossenen Abdeckungen beobachten“, erinnert sich ESO-Astronom Jason Spyromilio an das Himmelsspektakel. In den folgenden Jahren avancierte SN 1987A zur am besten erforschten Supernova überhaupt.
Kollaps eines Sternenkerns
Eine Supernova markiert das Ableben eines massereichen Sterns. Binnen weniger Tage kann sie so viel Energie freisetzen wie die Sonne in zehn Milliarden Jahren. Sie strahlt dabei heller als sämtliche Sterne einer Galaxie zusammen. Der Vorgängerstern von SN 1987A war unmittelbar vor der Explosion rund 14-mal so schwer wie die Sonne, sein Geburtsgewicht soll sogar bei 19 Sonnenmassen gelegen haben.
Als der nukleare Brennstoff des todgeweihten Sterns verbraucht war, schwand auch das Gleichgewicht, das ihn zuvor stabilisiert hatte. Die Folgen waren brachial: Die äußeren Schichten des Sterns wurden abgesprengt, und in seinem Zentrum bildete sich ein bizarres, extrem kompaktes Objekt: ein Neutronenstern. Eine solche Sternleiche hat nur einige Kilometer Durchmesser, kann darin aber mehr Masse vereinigen als die Sonne. Diesen Ausgang, einen sogenannten Kernkollaps, lässt zumindest die gängige Theorie für Supernovae vom Typ II erwarten. Andere Supernova-Typen, charakterisiert durch ihre Spektren und Lichtkurven, haben andere Ursachen.
Dass der Vorgängerstern von SN 1987A kollabiert ist, bestätigten zunächst mehrere Neutrino-Detektoren in Japan, Russland und den USA. Denn unmittelbar vor dem Aufleuchten hatten sie innerhalb von 13 Sekunden einen Schauer dieser elektrisch neutralen, fast lichtschnellen Elementarteilchen registriert. Deshalb suchten die Astronomen über drei Jahrzehnte lang nach dem Neutronenstern – allerdings ohne greifbares Resultat, wie sie noch 2018 im Astrophysical Journal einräumen mussten.





