Wer zu den Sternen aufbricht, muss lange durch den finsteren Weltraum fliegen. Abgesehen von den eisigen Oort-Objekten sind keine Zwischenstopps möglich (siehe „Die Kometenschleuder” ab S. 42). Für das erste Ziel einer solchen, wohl unbemannten Expedition bietet sich Alpha Centauri an. Es sind bloß 4,37 Lichtjahre bis dorthin. Alpha Centauri steht am Südhimmel im Sternbild Zentaur und ist daher in Mitteleuropa nie zu sehen. Genau genommen ist es ein Mehrfachsystem. Die Sterne A und B leuchten gelb und weiß-gelb und ähneln in Größe, Masse und Temperatur stark der Sonne, obwohl sie rund zwei Milliarden Jahre älter sind. Völlig anders ist der Rote Zwergstern Proxima Centauri beschaffen. Die dritte Komponente des Systems bringt es nur auf etwa zwölf Prozent der Sonnenmasse. Wahrscheinlich umkreist Proxima das AB-Paar in weitem Abstand. Der Rote Zwerg ist uns rund ein Zehntel Lichtjahre näher – und somit der nächste bekannte Stern.
Die Kombination aus Ähnlichkeit und Nähe macht Alpha Centauri so beliebt. Es gibt Dutzende Beispiele dafür in Literatur und Film. Zuletzt landete Hollywood-Regisseur James Cameron mit „ Avatar” einen Leinwand-Hit. Schauplatz der Handlung ist „Pandora” – ein hypothetischer Mond, den seine blauhäutigen Bewohner gegen rohstoffgierige Invasoren von der Erde verteidigen müssen. Der Film spielte über zwei Milliarden Dollar ein. Doch was ist dran an der Story? Gibt es im Apha-Centauri-System Monde? Das weiß bislang niemand.
Erstes Anzeichen eines Exomonds
Generell sind extrasolare Monde durchaus möglich. Und tatsächlich hat im vergangenen Dezember ein internationales Team, angeführt vom US-Forscher David Bennett, einen möglichen Fund vorgestellt. Demnach wurde bereits im Jahr 2011 der erste gute Kandidat eines Exomonds gefunden. Das Paar aus einem freifliegenden Exoplaneten mit vier Jupitermassen und einem Trabanten, der leichter ist als die Erde, soll rund 1800 Lichtjahre von uns entfernt sein. Die Forscher wurden durch einen Gravitationslinseneffekt darauf aufmerksam.
Unklar ist auch die Frage nach Planeten: Alpha Centauri könnte tatsächlich mindestens einen beherbergen: bei der B-Komponente des Sternenpaars. Im Oktober 2012 meldete das Wissenschaftsblatt Nature einen Fund um den kleineren Partnerstern. Astronomen um Xavier Dumusque von der Universität in Porto und des Observatoriums in Genf hatten den Felsplaneten entdeckt: 1,12 Erdmasse geben die Forscher als Mindestmasse an. Den Wert haben sie indirekt ermittelt: Sie analysierten, wie stark der unsichtbare Planeten mit seiner Schwerkraft an seinem Heimatstern „rüttelt”, das heißt dessen Radialgeschwindigkeit periodisch geringfügig verändert – um lediglich 1,8 Kilometer pro Stunde.
Die Entdeckung schlug hohe Wellen, obwohl die Aussicht auf eine lebensfreundliche Welt dort schlecht ist. Denn der Planet kreist auf einer sehr engen Bahn um seinen Stern, fern der habitablen Zone. Die New York Times zitierte den Veteranen der Exoplanetenforschung Geoffrey Marcy von der University of California mit den Worten, das Sternsystem wäre so nahe, dass man fast hin spucken könne. Die Astronomin Debra Fischer von der Yale University wagte sogar eine Prognose: „Ich wette, da gibt es noch weitere Planeten.” Sie hat selbst jahrelang das Alpha-Centauri-System nach Planeten abgesucht.
Doch nicht alle Experten sind restlos überzeugt. Bald schon meldete Artie Hatzes von der Thüringer Landessternwarte, selbst Entdecker mehrerer Exoplaneten, „gesunde Zweifel” an. Die Daten lägen nah am statistischen Rauschen und müssten von unabhängiger Seite bestätigt werden. Seine Analyse fand nichts. Auch unabhängige Messungen von Debra Fischer mit anderen Teleskopen und Spektrographen waren bislang erfolglos. Die Forschungen gehen weiter, doch bis 2015 nähert sich der B-Stern der A-Komponente, deren Licht die Messungen behindert. Eine Klärung wird noch einige Jahre dauern.
Die Astronomen haben mit den Besonderheiten des Doppelsternsystems zu kämpfen – der Umlaufbahn der beiden Sterne um ihren gemeinsamen Schwerpunkt. Ein kompletter Umlauf von beiden dauert 79,9 Jahre. Bei der Bewegung auf ihren Bahnellipsen schwankt ihre gegenseitige Entfernung beträchtlich, zwischen dem 11-fachen und dem 35-fachen Abstand von Erde und Sonne. Hatzes zufolge nähern sich beide zuerst so stark, dass das Licht der A-Komponente die Messungen am B-Stern stört. „Diese Kontamination ist ein Problem, wenn man Spektren aufnehmen will. Bald schon werden sich beide Sterne so nah sein, dass man jahrelang warten muss, bis sie wieder weit genug auseinander sind.”
Falls es bei Alpha Centauri tatsächlich Planeten gibt, würden mögliche Pandorianer unsere Sonne als hellen Stern am Nachthimmel sehen. Sie müssten ihren Blick dafür zum Sternbild Kassiopeia richten, am irdischen Himmel wegen seiner Gestalt als „Himmels-W” bekannt. Die W-Form wäre auf Pandora allerdings durch die Sonne gestört, ein Effekt der weiter zunehmen wird. Denn in den kommenden Jahrtausenden wird die Sonne scheinbar immer heller, da sich Alpha Centauri und das Sonnensystem aufeinander zu bewegen – langfristig verkürzt sich die Reisezeit dorthin also von selbst.





