Was im Meer passiert, wenn zu viel Kohlendioxid in die Luft gelangt, führten 250 Millionen Jahre alte Gesteine in Südchina, Japan und in der Türkei einem Forscherteam um Jonathan Payne von der Stanford University vor Augen: Riesige Kalkriffe auf aller Welt lösten sich damals einfach auf. Die Forscher deuten die Korrosion als Folge einer der größten Katastrophen der Erdgeschichte.
Am Ende des Erdzeitalters Perm vor 250 Millionen Jahren ereignete sich eines der schlimmsten Massensterben: Schätzungen zufolge starben mehr als 90 Prozent aller Arten aus. Noch ist unklar, wie die Katastrophe damals genau ablief. Payne und seine Kollegen fügen nun ein neues Puzzlestück zum noch unvollständigen Gesamtbild hinzu. Die von ihnen untersuchten Kalkschichten, berichten sie, stammen aus den letzten Jahrmillionen des Perm und sind voller Fossilien. Doch die Oberfläche zeigt Anzeichen starker Erosion, sie ist zerklüftet und weist Höhenunterschiede von bis zu zehn Zentimetern auf.
Aus ihren Untersuchungen schließen die Forscher aber, dass sich die Riffe auch während der Erosion unter Wasser befanden. Sie müssen sich also durch eine Versauerung des Meerwassers aufgelöst haben, schließen sie. Über der angefressenen Lage finden sich an allen drei Orten Kalkkrusten, die von Mikroben abgelagert wurden.
Die Forscher vermuten einen kausalen Zusammenhang zwischen der Ursache des Massensterbens und der Riff-Auflösung. Ihrer Meinung nach waren gewaltige Vulkanausbrüche im heutigen Sibirien die Ursache für die Katastrophe. Dabei seien innerhalb von weniger als hunderttausend Jahren gewaltige Mengen Kohle zu Methan verdampft, schreiben sie. Nach diesem Ereignis war das Meer an Karbonat übersättigt, so dass von Mikroben gebildete Kalksteine entstanden. Die meisten Tiere mit Kalkschalen waren dagegen ausgestorben: Das saure Meerwasser hatte ihre Schalen ebenfalls aufgelöst.
Bislang hatten die meisten Geologen vermutet, dass sich im Meeresboden gespeichertes Methaneis auflöste und die Katastrophe verursachte. Auch ein Meteoriteneinschlag wurde bereits als Ursache vermutet, allerdings sind die Anzeichen dafür bislang dürftig.
Jonathan Payne (Stanford Universität) et al.: GSA Bulletin Bd. 119, Nr. 7, S. 771 Ute Kehse





