Hagadorn und seinen Kollegen gelang nun erstmals ein Blick ins Innere von 162 besonders gut erhaltenen Embryonen. Teilweise schauten sie sogar ins Innere der Zellen. Sie stellten fest, dass die Anzahl der Zellen bei einem Viertel der Embryonen nicht einer Potenz von zwei entsprach. In der Regel verdoppelt sich die Anzahl der Zellen gleichmäßig, so dass Embryonen aus 2, 4, 8, 16, 32, 64 oder noch mehr Zellen bestehen. Die Forscher fanden aber auch Embryos mit 3, 5, 9, 15, 24 und 31 Zellen. Sie führen dies darauf zurück, dass die Zellteilung bei den ersten Vielzellern, zu denen die Embryonen vermutlich gehörten, womöglich noch nicht so perfekt funktionierte wie bei höheren Tieren. Es könnte aber auch sein, dass sich die Zellen nicht alle gleichzeitig teilten ? ein Phänomen, das auch bei einigen heutigen Tieren zu beobachten und für bestimmte Entwicklungsprozesse wichtig ist.
Innerhalb der Zellen entdeckten die Forscher einige runde Strukturen, bei denen es sich ihrer Meinung nach um Organellen oder Zellkerne handeln könnte. Einige spiegelbildlich angeordnete Strukturen könnten Zellkerne sein, die gerade dabei sind, sich zu teilen, schreiben Hagadorn und Kollegen.
Obwohl die Embryonen außergewöhnlich gut erhalten waren, fanden die Forscher keine Anzeichen für typische Stadien der Embryonalentwicklung, die auch bei den einfachsten mehrzelligen Tieren wie Schwämmen oder Nesseltieren auftreten. Selbst Doushantuo-Embryonen mit etwa tausend Zellen bildeten kein Epithel aus, also eine Gewebeschicht aus mehreren Zelllagen. Auch entstand im Inneren der Embryonen kein Hohlraum, wie es bei höheren Tieren typisch ist. “Das spricht gegen frühere Vermutungen, die Embryonen könnten komplexere Tiere wie etwa Gliederfüßer repräsentieren”, sagt Hagadorn. “Vermutlich handelt es sich um sehr einfache Formen, die zum Beispiel mit den Vorfahren der Schwämme verwandt waren.”





