Ein weiteres Mysterium war die Form der Dünen: Die Cassini-Daten legten nahe, dass der Wind im Gebiet der Dünen von Osten nach Westen weht. Doch das Aussehen der Strukturen rund um Hindernisse wie Berge und Krater passte nicht zu dieser Richtung: Die Dünen scheinen stattdessen von Westwinden geformt worden zu sein. Um diesen Unklarheiten auf den Grund zu gehen, führten die Forscher um Devon Burr von der University of Tennesse in Knoxville Untersuchungen unter künstlichen Titan-Bedingungen durch: In einem Windkanal, den man unter Hochdruck setzen kann. So simulierten die Forscher die dichte Atmosphäre des Mondes. Darin untersuchten sie das Verhalten von Sandkörnern bei verschiedenen Windgeschwindigkeiten. Wegen der Unsicherheiten bezüglich der Eigenschaften des Titansands testeten die Wissenschaftler 23 verschiedene Sorten mit unterschiedlichen Größen und Dichten.
Seltene West-Winde formen die Dünen
Nach zwei Jahren Forschung, vielen Ansätzen und Rekalibrierungen kam das Team nun zu dem Fazit: Die minimale Windgeschwindigkeit, um den Sand zu bewegen, muss etwa 50 Prozent schneller sein, als es bisherige Modelle vermuten ließen. Vor allem die Dichte der Atmosphäre des Titan war für diese Ergebnisse die ausschlaggebende Einflussgröße, sagen die Forscher. “Wenn die vorherrschenden Ostwinde tatsächlich nur so leicht sind, reichen sie nicht aus, um den Sand zu bewegen”, resümiert Burr.
Den Forschern zufolge gibt es aber dennoch eine mögliche Lösung des Rätsels: Atmosphärische Modelle legen nahe, dass sich der Wind zweimal während eines Saturnjahres umkehren könnte. Das geschieht, wenn der Sonnenschein den Äquator des Titan überschreitet. Dadurch verändern sich die atmosphärischen Verhältnisse und die Winde drehen sich für eine kurze Zeit. Burr zufolge könnten diese Westwinde vergleichsweise hohe Geschwindigkeiten erreichen und dadurch die Dünen formen.
Da ein Saturnjahr 30 Erdjahren entspricht, handelt es sich um seltene Ereignisse. “Cassini hat diese Winde wahrscheinlich einfach nicht entdeckt, weil sie so selten wehen”, so die Astronomin. Offenbar hinterlassen sie aber deutliche Spuren: die Dünen eines der skurrilsten Himmelskörper unseres Sonnensystems.
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